Sonntag, 19. November 2017

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Besser als ProSiebenSat.1 RTL löst sich vom schwächelnden TV-Werbemarkt

RTL-Dauerbrenner Günther Jauch: Trotz der schwierigen Entwicklung auf dem deutschen TV-Werbemarkt wuchs der Umsatz von RTL Deutschland im zweiten Quartal

Dank eines weiter wachsenden Digitalgeschäfts und guter Zahlen der Deutschland-Tochter stemmt sich die RTL Group Börsen-Chart zeigen gegen schwächelnde Werbemärkte im Fernsehgeschäft. Der Umsatz der Bertelsmann-Tochter wuchs im zweiten Quartal 2017 um 8,8 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Der Gewinn sank allerdings um fast 10 Prozent auf 183 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr hält die RTL Group dennoch an der Prognose eines Umsatzwachstums von 2,5 bis 5 Prozent fest.

Erst am Dienstag hatte Konkurrent ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen schrumpfende Umsätze für seine Fernsehsender im 3. Quartal vermeldet. Zu schaffen machen dem Unternehmen sinkende Werbeeinnahmen im TV-Geschäft.

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RTL-Finanzvorstand Elmar Heggen will sich der Schwarzmalerei bei den TV-Werbemärkten jedoch nicht anschließen, auch wenn hier die Umsätze in Deutschland von Januar bis Juni um 2 bis 3 Prozent gesunken seien. "Manchmal ist ein Blick von Quartal zu Quartal nicht hilfreich. Denn rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre sind die Werbemärkte solide gewachsen", sagte Heggen.

Trotz der laut Mitteilung "schwierigen Entwicklungen" auf dem deutschen Fernsehwerbemarkt legte RTL Deutschland beim Umsatz um 4,8 Prozent zu. Auch die internationale Produktionsfirma FremantleMedia lieferte positive Zahlen und steigerte mit einem Plus von knapp 35 Prozent den Umsatz auf 374 Millionen Euro. Dabei profitierte die Sendergruppe zum Beispiel stark vom Erfolg der Fantasyserie "American Gods", die an den Streamingdienst Amazon Prime Video verkauft wurde.

Dank Digitalgeschäft unabhängiger von der Werbeindustrie

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 7,4 Prozent auf 362 Millionen zurück. Das RTL-Management verweist bei dieser Kennzahl, die Auskunft gibt über die Ertragskraft des laufenden Geschäfts, auf einen Einmaleffekt. 2016 hatte die Frankreich-Tochter M6 das Mobilfunk-Geschäft abgestoßen und vom Partner Orange 43 Millionen Euro eingesammelt. Bereinigt um diese Effekt sei der operative Gewinn stabil, teilt die RTL Group mit.

Der Umsatz im Digitalgeschäft kletterte im Vergleichszeitraum von 144 auf 211 Millionen Euro. Heggen zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung im ersten Halbjahr. "Wir sind jetzt in dem glücklichen Zustand, dass wir dank unserer Digital- und Videostrategie immer unabhängiger von der Werbeindustrie werden", sagte Heggen. Im ersten Halbjahr hat die RTL Group 48,7 Prozent des Umsatzes mit TV-Werbung gemacht. Dieser Wert sei seit Jahren - wie geplant - in kleinen Schritten leicht rückläufig.

Passend zu dieser Strategie übernimmt die Sendergruppe im Oktober 2017 laut Mitteilung für 145 Millionen Euro die restlichen Anteile von 36,4 Prozent an SpotX. Die Technologieplattform hat sich auf automatisierte Werbevermarktung im Internet spezialisiert.

Bertelsmann hält 75 Prozent an der im Börsenindex MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Unternehmen notierten europäischen Sendergruppe. Mit plus 3,61 Prozent gehörten die RTL-Titel ebenso zu den MDax-Favoriten wie die 2,33 Prozent festeren Aktien des Werbevermarkters Ströer Börsen-Chart zeigen. Am Dienstag hatten die negative Aussagen von ProSiebenSat.1 zum TV-Werbegeschäft beide Titel in Mitleidenschaft gezogen. Dessen Aktien schafften es weiter nicht in positives Terrain und waren mit minus 1,07 Prozent erneut Schlusslicht im deutschen Leitindex.

mg/dpa

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