Freitag, 26. August 2016

Roland Berger bekommt neuen Aufsichtsratschef Ende der Ära Schwenker

Zieht sich aus dem Aufsichtsrat von Roland Berger zurück: Burkhard Schwenker will sich künftig verstärkt um wichtige Kunden kümmern

Es ist mehr als eine schlichte Personalie aus der Welt der dienstleistenden Wirtschaft: Burkhard Schwenker (57) tritt nicht mehr an zur Wahl des neuen Aufsichtsrats der Unternehmensberatung Roland Berger. Der Name Schwenker fehle auf der Kandidatenliste, sagten zwei Berger-Partner. Die Beratung bestätigte Schwenkers Rückzug. Er werde sich künftig wieder verstärkt um wichtige Kunden kümmern und dem Unternehmen zusätzlich als eine Art Chefstratege und Produktentwickler dienen. Außerdem wolle er mehr Zeit für seine anderen Ämter haben.

Schwenkers Abschied aus der Unternehmensspitze bedeutet für die Beratung das Ende einer Ära. Der Mathematiker und Betriebswirt stand sieben Jahre als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Traditionsconsultants. Den Aufsichtsrat führte er mit Unterbrechung vier Jahre.

Das Gremium wird Ende Juni von den 220 Berger-Partnern neu gewählt werden. Die fünf Mitglieder des Aufsichtsrats bestimmen dann aus ihrem Kreis Schwenkers Nachfolger. Insgesamt stellen sich elf Berater zur Wahl, darunter außer Schwenker sämtliche aktuellen Mitglieder des Gremiums und auch zwei Frauen: die Russin Maria Mikhaylenko und die Französin Anne Bioulac.

Die besten Aussichten eingeräumt werden neben Schwenkers Stellvertreter, dem deutschen Autospezialisten Marcus Berret, auch Christian Fischer und Italien-Chef Roberto Crapelli. Restrukturierungsfachmann Fischer gilt intern als hoch angesehen, weil er das Kerngeschäft von Berger wieder nach vorn gebracht hat.

Die Ära Schwenker hatte für die Unternehmensberatung eigentlich schon vor seinem Aufstieg an die Vorstandsspitze begonnen. Er hatte für die Berger-Partner die Verhandlungen beim Rückkauf der Firma von der Deutschen Bank geleitet. CEO blieb er zunächst bis Juli 2010 und übergab das Amt dann an Martin Wittig. Nach dessen Abgang und einem weiteren Jahr als Vorstandschef - es galt, Berger aus einer Krisenphase zu retten - übergab Schwenker den Job 2014 endgültig, diesmal an den Franzosen Charles-Edouard Bouée (46).

Jetzt gibt er zwar den Aufsichtsratsvorsitz ab. Vorstandschef der Roland-Berger-Stiftung aber bleibt Schwenker. Die von Gründer Roland Berger initiierte Institution fördert unter anderem sozial schwache Kinder und Jugendliche. Ein Teil ihres Kapitals liegt, ordentlich verzinst, in der Beratung.

Für Jobs wie bei der Stiftung will sich Schwenker künftig mehr Zeit nehmen. Er sitzt zum Beispiel im Vorstand des Politnetzwerks Atlantik-Brücke, das sich um die deutsch-amerikanische Freundschaft bemüht. Seit Januar gehört er dem Kuratorium der ZEIT-Stiftung an; und auch ein von ihm selbst initiiertes Start-up für Rollatoren will er wieder beleben.

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