Samstag, 18. November 2017

Wer will Roco Fleischmann haben? So mühsam sucht diese Spielwaren-Ikone einen Käufer

Unter Dampf: Modell der schwersten Tenderlokomotive der Deutschen Bundesbahn der Baureihe BR 95 im Maßstab HO der Marke Fleischmann.

Manchmal gibt es sogar in einer Firmenkrise etwas zu schmunzeln. In diesem Fall leider nicht für die betroffenen Marken Roco und Fleischmann, sondern für potenzielle Käufer des zweitgrößten europäischen Modelleisenbahnherstellers.

Grund: Die Unternehmensberatung KPMG zieht für die Brautschau wirklich alle Register. Statt ausschließlich ausgewählte Top-Manager vertraulich und direkt zu kontaktieren, trudelte das Verkaufsbegehren in einem Fall per Email an die im Impressum verzeichnete Konzernadresse (info@) ein und wanderte erst von dort zum Chef. Zwar hatte man beim potentiellen Interessenten die info@-Adresse gegenüber KPMG als wirklich einzigen (Um-)weg zum Chef deklariert - in der Branche macht die Anekdote dennoch die Runde als Beleg für die Müh und Not, die den Verkaufsprozess prägt.

Noch bedenklicher: Auch wenn das Angebot inzwischen fast jedem im Markt bekannt ist, hat sich bisher offenbar kein dampfkesselheißer Interessent oder gar Käufer gefunden. Die Marken Roco und Fleischmann gehören nach Insolvenzen und mehreren Eignerwechseln der österreichischen Modelleisenbahn Holding. Hinter dem Konstrukt steht Mehrheitseigner Roland Edenhofer (51), ein Berater und Interimsmanager aus München, der lange für KPMG gearbeitet hat. Die übrigen 5 Prozent hält ein Manager des Modellbauers.

Das Zahlenwerk stimmt nicht optimistisch. 2015 sank der Umsatz auf 49,5 Millionen Euro, der Verlust explodierte auf knapp 15 Millionen Euro. 2018 will Edenhofer wieder schwarze Zahlen vorlegen - offenbar aber, so vermuten Insider, verliert der wichtigste Gläubiger, der Raiffeisenverband Salzburg, das Vertrauen.

Mit dem neueröffneten Produktionsstandort in Vietnam leistet sich die Firma fünf Fabriken. Viel Komplexität in einem Geschäft, das sich seit Jahren auf Talfahrt befindet. Marktführer Märklin verzeichnet 2015/16 einen Umsatzrückgang auf 94,2 Millionen Euro, das Ergebnis ist auf 3,3 Millionen Euro geschrumpft. Ein Zusammenschluss der Rivalen ist kartellrechtlich nicht möglich. Die Suche dürfte also weitergehen.

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