Montag, 10. Dezember 2018

Putsch gegen Vorstandschef GSW-Chef Kottmann verliert Rückhalt der Aktionäre

Berliner Immobilienkonzern GSW: Tumult auf der Hauptversammlung

Eklat bei der Berliner Immobiliengesellschaft GSW : Die Aktionäre wollen den gerade neue berufenen Firmenchef in die Wüste schicken. Die Hauptversammlung entzog Bernd Kottmann das Vertrauen. Jetzt muss die GSW eine Lösung finden.

Berlin - Das Immobilienunternehmen GSW ist in eine Führungskrise geraten. Bei der Hauptversammlung am Dienstag entzogen die Aktionäre dem Vorstandschef Bernd Kottmann das Vertrauen, wie die im MDax notierte GSW Immobilien AG mitteilte. Für den entsprechenden Antrag des niederländischen Pensionsfonds PGGM seien Stimmen von gut 63 Prozent des Grundkapitals zusammengekommen. Der Aufsichtsrat werde in den nächsten Tagen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten und die Lage beraten, teilte die GSW mit.

Knapp davon kam dagegen der Manager, der Kottmann zur GSW gelotst hat: "Der Antrag eines Aktionärs auf Abberufung des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Eckart John von Freyend hat mit 69,63 Prozent der abgegebenen Stimmen nicht die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent erhalten". Der niederländische Investor PGGM hatte den Putsch angezettelt.

PGGM wirft John von Freyend eine überstürzte und schlechte Wahl bei der Neubesetzung des Vorstandschefs vor. Der Pensionsfonds, der weltweit 140 Milliarden Euro angelegt hat und eigentlich nicht für einen aggressiven Stil bekannt ist, besitzt selbst nur 2,6 Prozent der GSW-Anteile. PGGM hatte aber an die Miteigentümer appelliert, sich gegen das Topmanagement zu stellen und ein starkes Signal zu senden. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Felix Born sagte im Namen von PGGM, eine Abwahl sei im Interesse des Konzerns. "Kottmann hat nicht das beste Profil." Eine interne Lösung wäre möglich und besser gewesen.

Kottmann war lange im Vorstand des Büroimmobilienkonzerns IVG, dort über Jahre für das operative Geschäft zuständig, zuletzt dann Finanzchef. Das Unternehmen, bei dem auch John von Freyend tätig war, gilt heute als Sanierungsfall. Deswegen steht nun der Vorwurf eines Interessenskonflikts und der Vetternwirtschaft im Raum, wie auch viele Kleinaktionäre kritisierten. Der Aufsichtsrat kündigte nach der Abstimmung an, kurzfristig zu einem Treffen zusammenkommen zu wollen. Personelle Konsequenzen wurden aber noch nicht angekündigt.

Kein Strategieschwenk

Kottmann kann trotz des Votums im Amt bleiben, ist jetzt aber schwer angeschlagen. Es ist denkbar, dass er selbst Konsequenzen zieht. Ein PGGM-Sprecher sagte: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Aufsichtsratschef muss sofort seinen Hut nehmen."

Vorstand und Aufsichtsrat hatten sich zuvor auf der turbulenten Hauptversammlung gegen die Vorwürfe gewehrt. John von Freyend sagte, Kottmann sei nicht innerhalb weniger Tage ausgewählt worden, sondern Anfang des Jahres innerhalb gut eines Monats. "Es wurden zahlreiche andere Kandidaten geprüft." Zuletzt hätten noch vier Personen auf der Liste gestanden. Kottmann sei fachlich am besten geeignet gewesen. Seine Wahl sei im Kontrollgremium zudem ohne Gegenstimme erfolgt. Nach deutschem Recht sei allein der Aufsichtsrat für die Besetzung zuständig, nicht einzelne Aktionäre. Dabei sei Vertraulichkeit wichtig. Die anderen Vorstände wurden nach eigenen Angaben nicht gefragt, neuer GSW-Chef zu werden.

Kottmann selbst verwies auf 25 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche. Die IVG-Misere sei durch die Immobilien- und spätere Finanzkrise in den USA ausgelöst worden und nicht durch Missmanagement im Vorstand. Er widersprach zudem Anschuldigungen, er wolle die bewährte Strategie der GSW ändern. "Wir wollen ausschließlich in Berlin wachsen." Dort hat die GSW 60.000 Wohnungen. Eine Expansion in andere Regionen stehe nicht auf der Agenda.

kst/rtr

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