Sonntag, 20. Januar 2019

Purdue-Pharma und der Sackler-Clan Wie der Sackler-Clan an der US-Drogenkrise verdient - und jetzt an deren Bekämpfung

Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)
Patrick McMullan via Getty Images
Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)

Der US-amerikanische Sackler-Clan hat seinen Namen unvergesslich gemacht. Zum einen durch Millionenspenden für Museen, Krankenhäuser und Universitäten. Das Metropolitan Museum in New York oder das Louvre in Paris, die ganze Flügel nach der Milliardärsfamilie benannten, wurden großzügig bedacht.

Zum anderen ist der Name Sackler auch mit der Droge Oxycontin verbunden. Hergestellt vom Clan-eigenen Pharmahersteller Purdue Pharma. In Oxycontin sehen viele Experten einen der Hauptverursacher der in den USA grassierenden Opioidkrise.

Das 1892 gegründete Unternehmen hatte unter der Führung von Mitgliedern des Sackler-Clans das Schmerzmittel Oxycontin entwickelt und dann ab 1995 mit fragwürdigen Mitteln in den Markt gedrückt. Und dabei in Kauf genommen, dass viele Nutzer abhängig wurden.

Dabei hatte das Unternehmen nicht nur die Sucht-Gefahr, die von dem Opioid ausging, bewusst heruntergespielt. Es soll auch gezielt mit einem Fokus auf unerfahrene Ärzte daran gearbeitet haben, deren Bereitschaft zu erhöhen, die angebliche "Wunderdroge" auch für vergleichsweise harmlose Beschwerden wie Rückenschmerzen zu verschreiben. Zudem soll sich Purdue Pharma die Kooperationsbereitschaft der Ärzte unter anderem mit gut dotierten Vorträgen und Reisen erkauft haben.

Bereits 2007 zahlte Purdue Pharma eine Strafe wegen Täuschung

Bald aufgetretene Hinweise, dass Oxycontin extrem abhängig macht, ignorierte das Unternehmen bewusst. Ebenso, dass viele Nutzer es zerbröselten und durch die Nase zogen, um einen Mechanismus zu umgehen, der eigentlich eine zeitversetzte Abgabe des Wirkstoffes in den Organismus bewirken sollte. Spülte der Blockbuster doch Milliarden Dollar in die Kassen des Unternehmens.

Noteinsatz: Die Drogen- und Opioidsucht grassiert vor allem im Mittleren Westen der USA

2007 zahlte Purdue wegen Täuschung der Allgemeinheit bereits eine Strafe von 600 Millionen Dollar. Mitglieder der Familie wurden - anders als Vertreter des Managements - dabei allerdings nicht zur Verantwortung gezogen. Zudem spendete das Unternehmen später 3,4 Millionen Dollar für die Entwicklung eines Nasensprays, mit dem Drogenabhängige, die sich eine Überdosis verpasst hatten, möglicherweise noch gerettet werden können.

Mehr als zehn Jahre nach der Einigung werden nun immer mehr Details bekannt, die erneut ein schlechtes Licht auf den Clan werfen. So stießen Journalisten der "Financial Times" kürzlich auf ein weiteres Tochterunternehmen des Clans, Rhodes Pharma, dessen Verbindungen zur Familie Sackler bislang unbekannt waren.

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