Donnerstag, 20. September 2018

Neuer Chef, neuer Partner ProSiebenSat.1 versucht den Neustart

ProSiebenSat.1 in München: General Atlantic steigt bei der Digitalsparte ein
picture alliance / Matthias Balk
ProSiebenSat.1 in München: General Atlantic steigt bei der Digitalsparte ein

Neuer Chef, neue Konzernstruktur, neues Cash durch Teilverkäufe. Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 verpasst sich einen Tapetenwechsel und hofft, damit bald zu alter Stärke zurückzukehren. Zwar konnte das Unternehmen seine Geschäftsziele im vergangenen Jahr wie erwartet erreichen, doch dürfte der negative Beigeschmack einer Prognosesenkung im November und die damit verbundene Gefahr eines Abstiegs der Aktie aus dem Dax bei vielen noch nicht ganz verflogen sein.

Grund für das Zurückrudern war und ist das TV-Geschäft - für ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen Kernsegment und Sorgenkind zugleich. Schon seit Langem gehen dem Unternehmen hier Zuschaueranteile verloren, was an einer allgemeinen Marktschwäche und an der mächtigen US-Streaming-Konkurrenz liegt. Das zumindest sagt ProSiebenSat.1. Kritiker wiederum führen auch die Schwächen im Programm selbst an und beklagen fehlende Innovationen sowie das Festhalten an altbewährten Formaten wie etwa US-Sitcoms.

Zumindest im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres gelang dem Konzern in diesem Segment aber wieder ein leichter Vorstoß, sodass es hier auf Jahressicht zu einem leichten Plus von 1 Prozent auf etwas über zwei Milliarden Euro kam. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Internetportalen wie Verivox oder Parship, bei dem der Umsatz um 30 Prozent auf 996 Millionen Euro zulegte. Im Bereich Digital Entertainment, wo ProSiebenSat.1 sein Geld unter anderem mit digitaler Werbung verdient, gingen die Erlöse um 5 Prozent nach oben. Im TV-Bereich wurden Produktionen teilweise ins kommende Jahr verschoben, weswegen es hier zu einem leichten Rückgang kam.

Alles in allem verdiente der Konzern mit 471 Millionen Euro unter dem Strich 6 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Auch beim Umsatz, der um 7 Prozent auf etwas über vier Milliarden Euro zulegte, konnten die Münchener ihre Prognose erfüllen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 3 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Für das aktuelle Geschäftsjahr hat sich das Management rund um den am Vortag neu ernannten Konzernchef Max Conze ein weiteres Umsatzplus sowie eine Ebitda-Marge im mittleren 20-Prozentbereich und damit in etwa auf dem 2017er-Niveau vorgenommen.

Gelingen soll das unter anderem mittels eines zu Jahresbeginn angelaufenen Konzernumbaus, in dessen Rahmen das TV-Geschäft mit der Sparte der Online-Unterhaltungsplattformen zusammengelegt werden soll. Bis 2019/2020 soll das dem Konzern mehr als 50 Millionen Euro einsparen. Zudem arbeitet ProSiebenSat.1 seit rund einem Jahr daran, sich von seiner Reisesparte zu trennen, die Teil des Geschäfts mit den Internetportalen ist. Hier gilt es lediglich noch, einen Abnehmer für den Reiseveranstalter Tropo zu finden.

Geld in die Kasse bekommt ProSieben durch den Teilverkauf seines E-Commerce-Geschäfts. So wurde am Donnerstag der schon zuvor kolportierte Einstieg des Finanzinvestors General Atlantic bei der Nucom-Sparte verkündet, unter deren Dach sich Portale wie Verivox und Parship befinden. General Atlantic erwirbt 25,1 Prozent der Anteile, Nucom wird dabei mit 1,8 Milliarden Euro bewertet. Die Aktie von ProSiebenSat.1 legte vorbörslich bei Tradegate gut ein Prozent zu.

mg/dpa-afx

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