Sonntag, 26. Juni 2016

Gründer kaltgestellt Putsch gegen den Genossen R.

"Staatsstreich" bei Prokon: Während der Gründer von einer "Genossenschaft" träumt, in die er die Windkraftfirma überführen will, stellen ihn Gericht und Insolvenzverwalter kalt. Zu allem Überfluss brechen auch die "Freunde von Prokon" mit ihrem Ex-Idol.

Itzehoe - Am Dienstag dieser Woche ist Carsten Rodbertus noch (ein letztes?) mal in seinem Element. In einem Interview mit der "Deutschen Presseagentur" entwirft er die Vision einer "Prokon Genossenschaft", in die er - wenn man ihn richtig versteht - seine Windkraftfirma nach dem Ende der Insolvenz überführen will. Aus den Genussrechtsinhabern würden Genossen, und im Grunde wäre dann alles wieder so, wie es früher immer war. Mit Rodbertus als Chef, versteht sich.

Was der Insolvenzverwalter dazu sagt? Dem seien die Pläne bekannt, erklärt Rodbertus.

Dietmar Penzlin, Prokons vorläufiger Insolvenzverwalter, indes verfolgt zu diesem Zeitpunkt offenbar schon ganz andere Pläne. Am Mittwochmorgen jedenfalls, während die Tageszeitungen von der hochfliegenden Plänen des Genossen R. berichten, veröffentlicht das Amtsgericht Itzehoe eine Mitteilung, von der zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand Kenntnis nimmt.

Wörtlich heißt es darin: "Der Schuldnerin wird ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegt (§ 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO); die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der Schuldnerin einschließlich des Rechts zum Einzug von Bankguthaben und anderen Forderungen geht damit auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über."

Insolvenzverwalter übernimmt die Macht

Verfügungsverbot? "Das heißt, dass Rodbertus jeder Zugriff auf das Firmenvermögen entzogen wird", sagt ein erfahrener deutscher Insolvenzverwalter. Zu diesem Instrument griffen Gerichte eher selten - "vor allem aber dann, wenn man die alte Geschäftsführung aus dem Spiel nehmen will oder muss".

Offenbar hatten das Gericht und der Insolvenzverwalter genug von den Eskapaden Rodbertus'. Das neue Insolvenzrecht ("Esug") folgt zwar der aus dem US-Recht übernommenen Prämisse, dass Unternehmen zunächst einmal vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen sind. Bisweilen aber muss man doch eher die Gläubiger vor dem Unternehmer schützen. Es gehe nun "um die Sicherung der künftigen Insolvenzmasse", sagt das Gericht. Ähnlich argumentiert Penzlin, der von einer "Sicherung des Bestellwesens" spricht.

Rodbertus' verzweifelter Versuch, die Macht bei Prokon zu behalten, ist damit krachend gescheitert. Der selbstbewusste Auftritt, den er noch am 23. Januar bei einer Pressekonferenz aus Anlass des Insolvenzantrags gab, darf als Geschichte gelten. Die alleinige Macht liegt jetzt bei Penzlin. Und der lässt kaum mehr Zweifel am schlechten Zustand jener Firma, die er nun zwei Monate lang durchleuchtet hat: "Es spricht derzeit mehr für eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Mai als dagegen."

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