Donnerstag, 29. September 2016

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Fachkräftemangel Lasst Ausländer rein!

Spanische Auszubildende in Deutschland: Daniel Marín Carmona (l.) und Silvia Gómez Bernal blicken in ein Infoblatt. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel wirbt auch das norddeutsche Wirtschaftsbündnis Ems-Achse um ausländische junge Menschen, die dann eine Lehre deutschen Betrieben abslolvieren

Konkreter und flehentlicher hat die deutsche Wirtschaft noch nie um Ausländer als Fachkräfte geworben. manager magazin online dokumentiert nachfolgend das flammende Plädoyer von Ingo Kramer, Arbeitgeberpräsident und Vorstandschef der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.

Deutschland wird als Zielland für Zuwanderer immer attraktiver. Während im Jahr 2009 noch mehr Menschen aus- als eingewandert sind, war gemäß Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Jahr 2012 eine Nettozuwanderung von rund 370.000 Personen zu verzeichnen.

Dies ist eine sehr erfreuliche Entwicklung!

Zuwanderung mildert bereits heute die negativen Effekte des demografischen Wandels: Die Zuwanderer sind im Durchschnitt zehn Jahre jünger als unsere Gesamtbevölkerung. Ein gutes Viertel der in der letzten Dekade Zugewanderten im erwerbsfähigen Alter hat einen Hochschulabschluss, hiervon viele in den Engpassbereichen "MINT" (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und Medizin.

Damit liegt deren Qualifikationsniveau über dem unserer Gesamtbevölkerung. Durch die in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Arbeitskräfte wird die hiesige Erwerbsbevölkerung im Schnitt also jünger und qualifizierter. Dies steigert die Wirtschaftskraft Deutschlands und die Stabilität der öffentlichen Haushalte.

Es gilt, diesen positiven Trend fortzusetzen und Deutschland im Wettbewerb um internationale Fachkräfte gut zu positionieren. Bildung spielt auch in diesem Kontext eine zentrale Rolle, denn Zuwanderung über das deutsche Bildungssystem ist ein sehr aussichtsreicher Ansatz zur Fachkräftesicherung.

Internationale Studierende sind "ideale Zuwanderer"

Eine besonders vielversprechende Zielgruppe für qualifizierte Zuwanderung sind internationale Studierende an deutschen Hochschulen. Deutschland ist jetzt schon das drittbeliebteste Land für internationale Studierende. Es ist sehr zu begrüßen, dass sich die Bundesregierung zum Ziel genommen hat, ihre Zahl bis zum Ende des Jahrzehnts weiter zu steigern: um rund ein Drittel auf 350.000.

Internationale Studierende sind - wie beispielsweise auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration feststellt - geradezu "ideale Zuwanderer": Sie sind hoch qualifiziert und verfügen durch ihr Studium in Deutschland über anerkannte Bildungsabschlüsse. Sie beherrschen in der Regel die deutsche Sprache und sind mit den kulturellen und institutionellen Gepflogenheiten hier vertraut. Überproportional viele von ihnen schließen ein Ingenieurstudium ab und können so zur Fachkräftesicherung in diesem kritischen Segment beitragen.

Wenn internationale Absolventen nach ihrem Studium in Deutschland bleiben, ist ihre Erwerbsbeteiligung sehr hoch. Aber: Weniger als die Hälfte bleibt in Deutschland! Dies ist ein erheblicher Verlust für den deutschen Arbeitsmarkt, wenn auch andererseits deren Kontakt zu Deutschland und unseren Technologien, Produkten und Dienstleistungen oftmals ein Leben lang anhält und zu vertiefenden Wirtschaftsbeziehungen zu deren Heimatländern führt, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat.

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