Montag, 27. Juni 2016

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Widerstand gegen "Wings" Piloten-Streik bei der Lufthansa richtet sich gegen neue Billigableger

Germanwings-Passagiere: Streitthema Frühverrentung weitgehend entschärft

Einem "Spiegel"-Bericht zufolge streiken die Piloten der Lufthansa nicht in erster Linie für den Erhalt der Frühverrentung - sondern gegen die Pläne von Konzernchef Spohr für neue Billigableger.

Hamburg - Der jüngste Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings hat offenbar andere und ernstere Hintergründe als bislang vermutet. Nach "Spiegel"-Informationen wollen die Cockpitmitarbeiter mit ihrem Arbeitskampf vor allem das wichtigste Vorhaben des neuen Vorstandschefs Carsten Spohr torpedieren: den Aufbau neuer Billigableger für Kurz- und Langstrecken unter dem Arbeitstitel "Wings".

Nach offizieller Darstellung richtete sich der Ausstand der Flugzeugführer bei dem Lufthansa-Ableger am Freitag vergangener Woche gegen Pläne der Unternehmensführung, die Übergangsversorgung für Piloten zu beschneiden. Die Piloten hatten für sechs Stunden die Arbeit ruhen lassen. Mehr als 100 Flüge fielen aus, 15.000 Passagiere waren betroffen. Fluggäste müssen auch weiterhin mit Streiks rechnen.

"Der Spiegel" beruft sich auf mehrere Informationsschreiben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die an gut 5000 Flugzeugführer im Konzern gingen. Noch im Mai, so das Magazin, habe die 17-köpfige Tarifkommission den "ermutigenden Neuanfang" bei den Tarifgesprächen gelobt und ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, die Verhandlungen auf einer "konstruktiven Basis" zu führen. Nachdem Spohr am 9. Juli in Frankfurt sein Wings-Konzept vorgestellt hatte, habe sich die Tonlage allerdings geändert.

Die Lufthansa-Piloten und VC-Funktionäre warfen dem Konzernchef "zahlreiche Tarifvertragsbrüche" vor und stellten ihm ein Ultimatum. In einem weiteren, sieben Seiten starken Rundbrief vom 22. August, werten die Arbeitnehmervertreter Spohrs Pläne sogar als "frontalen Angriff" und "schwere Belastung der Tarifpartnerschaft".

Das Streitthema Frühverrentung, das in früheren Sitzungen schon weitgehend entschärft worden war, taucht nur am Rande auf, muss nun aber dennoch als Streikgrund herhalten. Ein VC-Sprecher betont, es gehe bei dem Arbeitskampf "ausschließlich um die Übergangsversorgung für die Lufthansa-, Lufthansa-Cargo- und Germanwings-Piloten".

Die VC ließ am Sonntag das weitere Vorgehen offen. Erneute Streiks seien nicht ausgeschlossen. Die genauen Termine würden "jeweils vorab bekannt gegeben", so ein Sprecher. Ob am Montag Streiks geplant seien, wollte er nicht sagen. Den Ausstand bei Germanwings am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft rund 24 Stunden vorher angekündigt. Bis zum Sonntagabend gab es keine neue Streikankündigung der Gewerkschaft. Von Streiks könnten auch die Mutter Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein.

ts/Der Spiegel/dpa

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