Donnerstag, 30. März 2017

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Zittern bei Reedereien und Fondsanlegern Hanjins Groß-Gläubiger sitzen in Hamburg und München

Reederei in Not: Vor zwei Monaten meldete Hanjin Insolvenz an - vor allem in Deutschland zittern seither Gläubiger um viel Geld

Auch zwei Monate nach dem Insolvenzantrag sorgt die koreanische Großreederei Hanjin weiter für schlechte Nachrichten. Die jüngste: Die siebtgrößte Linienreederei der Welt hat bei Gericht in ihrem Heimatland beantragt, sämtliche Standorte in Europa zu schließen, darunter auch das europäische Hauptquartier in Hamburg mit etwa 200 Mitarbeitern. Damit wird immer deutlicher, dass eine Rettung des Unternehmens im großen Stil kaum noch zu erwarten ist.

Immer klarer wird zudem auch, dass es vor allem deutsche Unternehmen sind, die angesichts der Pleite der koreanischen Großreederei um ausstehende Gelder zittern - und deutsche Geldanleger. Der beste Beleg dafür findet sich in der Liste der Gläubiger, die vom Insolvenzverwalter in Korea veröffentlicht wurde.

Der Aufstellung zufolge, aus der der Schiffsinformationsdienst "Alphaliner" zitiert, hatten bereits zwei Wochen vor Ende der Meldefrist etwa 3000 Gläubiger aus aller Welt Forderungen in Höhe von zusammen rund 730 Millionen Euro (901 Milliarden koreanische Won) angemeldet. Inzwischen dürften noch weitere Forderungen hinzu gekommen sein, so "Alphaliner". Der Annahmeschluss war demnach der gestrige Dienstag, der 25. Oktober.

Zum Vergleich: Insgesamt belaufen sich Hanjins Schulden auf rund 4,8 Milliarden Euro.

Die Gläubigerliste offenbart zudem das Ausmaß, in dem deutsche Firmen von der Hanjin-Pleite betroffen sind. Und das ist ziemlich groß.

Hintergrund: Deutschlands größter Hafen in Hamburg ist für das Europa-Geschäft der Hanjin-Reederei von besonderer Bedeutung. Die Koreaner gehörten mit einem Ladungsaufkommen von mehr als 200.000 Standardcontainern (TEU) pro Jahr bislang zu den zehn größten Schifffahrtskunden der Hansestadt, schreibt das dortige "Abendblatt".

Kein Wunder also, dass die Firma Eurogate, die in Hamburg einen von vier Containerterminals betreibt, auf der Gläubigerliste von Hanjin weit oben auftaucht. Mit Forderungen in Höhe von beinahe zehn Millionen Dollar (9,2 Millionen Euro) ist Eurogate laut "Alphaliner" unter allen Hafenabfertigern weltweit der drittgrößte Hanjin-Gläubiger. Auf noch mehr Gelder warten demnach lediglich die Firma Total Terminals in Long Beach (mehr als 30 Millionen Dollar) sowie Yantian International im Hafen von Shenzhen (etwa 13 Millionen Dollar).

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