Mittwoch, 14. November 2018

Rückzug Douglas sagt der Börse nach 50 Jahren Ade

Douglas in Hannover: Hagener Unternehmen will Zukunft ohne die Börse schaffen

Ein Kapitel Börsengeschichte wird beendet: Der Finanzinvestor Advent und die Gründerfamilie Kreke wollen den Handelskonzern Douglas mit dem Segen der Hauptversammlung von der Börse nehmen. Zur letzten Hauptversammlung sind kaum noch Aktionäre erschienen.

Hagen - Der Handelskonzern Douglas wird künftig keine börsennotierte Aktiengesellschaft mehr sein. Das Hagener Unternehmen soll von der Börse verschwinden. Das letzte Statement kommt in entsprechend dürren Worten: "Gemeinsam mit Advent International streben wir einen Squeeze-Out an und damit verbunden ein Delisting - also den Börsenrückzug", sagte Douglas-Chef Henning Kreke am Dienstag beim wohl letzten öffentlichen Treffen der Douglas-Anteilseigner in Hagen.

Die Zusammenkunft sei "nicht irgendeine Hauptversammlung" - die Douglas-Aktie Börsen-Chart zeigen werde nach einer Billigung der Barabfindung von 38,00 Euro je Anteilsschein endgültig vom Kurszettel verschwinden.

Advent hatte sich 2012 mit der Gründerfamilie Kreke verbündet und das Übernahmeangebot für Douglas im vergangenen Oktober vorgelegt. Unter der Ägide des Finanzinvestors sollen bei Douglas nun vor allem die namensgebende Parfümeriekette und die Christ-Juweliergeschäfte ausgebaut werden. Advent "beabsichtigt, das Wachstum der Parfüm- und Schmucksparte gemeinsam mit dem Management voranzutreiben", hatte der Investor verkündet. Dazu seien auch Übernahmen möglich, etwa in Südamerika und Asien.

Die Textilkette AppelrathCüpper und die Hussel-Süßwarenläden stehen dagegen eher in der zweiten Reihe: Sie sollen laut Advent "ertragsorientiert" weitergeführt werden. Beim angeschlagenen Buchhändler Thalia soll der Umbau weitergehen. Er leidet unter Internetkonkurrenz wie Amazon Börsen-Chart zeigen und dem Siegeszug von E-Readern wie dem Kindle. Douglas werde durch den Rückzug von der Börse "schneller und flexibler", rief Kreke den verbliebenen Anteilseignern zu. Der Konzern könne nun langfristig arbeiten und müsse seine Entscheidungen nicht mehr "quartalsweise veröffentlichen und kommentieren".

Ende nach 50 Jahren

Zudem habe der Konzern den Kapitalmarkt auch gar nicht wirklich gebraucht: Kapitalerhöhungen oder Anleihen "kennt dieses Unternehmen praktisch nicht", sagte Kreke. Douglas verlasse die Börse aber auch "nicht ohne einen Tropfen Wehmut", räumte Kreke ein. Der Konzern blicke mit seiner neuen Eignerstruktur aber einer guten Zukunft entgegen - und wolle nun die Herausforderungen durch den Online-Handel meistern.

An der Annahme der Barabfindung bei dem Aktionärstreffen gab es keinen Zweifel: Advent und die Familie Kreke kontrollieren bereits mit 96,79 Prozent deutlich über 95 Prozent der Anteile - und sie greifen nun nach den verbliebenen Aktien.

Allzu viele Anteilseigner waren nicht mehr erschienen, gut die Hälfte der Sitzplätze in der Stadthalle Hagen blieb leer. Dabei konnte der Hagener Handelskonzern auf eine lange Börsengeschichte zurückblicken. Im Oktober 1966 waren erstmals Anteilsscheine des Douglas-Vorläufers Hussel im amtlichen Handel notiert worden. "Nach nunmehr fast 50 Jahren geht die Geschichte als börsennotiertes Unternehmen zu Ende" bilanzierte auch Aufsichtsratschef Jörn Kreke.

kst/rtr

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