Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Paradise Papers Was Trumps Minister Wilbur Ross mit Putins Schwiegersohn zu tun hat

U.S. Handelsminister Wilbur Ross: Heikle Geschäfte mit Russland

Nach den "Panama Papers" gibt es eine weitere Veröffentlichung zu Daten über Steuerschlupflöcher und über brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", die dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehört, geht es diesmal um Millionen Dokumente zu Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur.

Wie die ICIJ-Journalisten an die Daten, die auch Firmenregister von 19 Steueroasen enthalten sollen, herangekommen sind, wurde nicht preisgegeben. In den Daten sollen über ein Dutzend Berater, Kabinettsmitglieder und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen, darunter auch Geschäftskontakte nach Russland. Zu finden sind in den "Paradise Papers" genannten Unterlagen unter anderem die Namen von Großkonzernen wie Apple Börsen-Chart zeigen und Nike Börsen-Chart zeigen sowie der Name des amtierenden US-Handelsministers Wilbur Ross.

US-Minister Ross soll laut den "Paradise Papers" über seine Beteiligung an der Reederei "Navigator" Geschäfte mit dem russischen Ölkonzern Sibur tätigen - ein Konzern, an dem Wladimir Putins Schwiegersohn Kirill Schamalow beteiligt ist.

Auch der Name des 2016 verstorbenen deutschen Milliardärs Curt Engelhorn taucht in den Paradise Papers auf. Die Milliardärsfamilie Engelhorn ist bereits in einen der größten Steuerfälle der deutschen Geschichte verstrickt. Ein umfangreiches Steuerstrafverfahren um Engelhorn und seine Töchter wurde laut "SZ" bereits vor Jahren mit einem Vergleich beendet. Nun fördern die Paradise Papers jedoch der Zeitung zufolge neue Informationen zutage, die darauf hindeuten, dass seinerzeit weit mehr als die im Rahmen des Vergleichs gezahlte Summe hinterzogen worden seien.

Curt Engelhorn (mit Ehefrau Heidi, Archiv): Die Familie des 2016 verstorbenen Milliardärs gerät durch die Paradise Papers erneut in den Blick der Steuerfahnder
Getty Images
Curt Engelhorn (mit Ehefrau Heidi, Archiv): Die Familie des 2016 verstorbenen Milliardärs gerät durch die Paradise Papers erneut in den Blick der Steuerfahnder

Außerdem zeigen die Paradise Papers laut "SZ", wie der Glücksspiel-Unternehmer Peter Gauselmann die Isle of Man nutzt, um an dem hierzulande verbotenen Online-Glücksspiel zu verdienen.

Auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder ist mit von der Partie. Laut "SZ" zeigen die Paradise Papers, dass Schröder 2009 sogenannter "unabhängiger Aufsichtsrat" des russisch-britischen Energieunternehmens TNK-BP war. Das Joint Venture zwischen der britischen BP- und der russischen Alfa-Gruppe habe seinen Sitz wie viele Öl-Joint-Ventures auf den Britischen Jungferninseln - eine Offshore-Firma also, so die "SZ".

In den jüngsten Skandal um mögliche Steuertricks prominenter Persönlichkeiten mithilfe von Briefkastenfirmen und Offshore-Konten ist auch U2-Sänger Bono verwickelt. Der Frontman der irischen Rockband hat über Firmen in Malta und in Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert, wie aus dem "Paradise Papers" getauften Datenleck mit Dokumenten aus Steueroasen hervorgeht. Bono sei demnach an der Betreiberfirma eines 3700 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes mit Einzelhandelsgeschäften in der nordlitauischen Stadt Utena beteiligt, berichtete das dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehörende litauische Onlineportal "15min.lt".

Bonos Sprecherin bestätigte Berichten der britischen Zeitung "The Guardian" und "15min.lt" zufolge, dass Paul David Hewson - so der bürgerliche Name des Sängers - ein "passiver Minderheitsinvestor" in dem auf Guernsey ansässigen Unternehmen gewesen sei. Diese hatte das Einkaufszentrum 2012 von einer maltesischen Firma übernommen, an der Bono zufolge auch beteiligt war. Ob er von der Investition in Litauen wusste, blieb den Angaben zufolge unbeantwortet.

120 Politiker aus 50 Ländern tauchen in den Steuerflucht-Dokumenten auf

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen weltweit, es würden die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer, Sportler und Unternehmer. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen. Das neue Datenleck wurde von den Autoren "Paradise Papers" getauft. Insgesamt waren mehr als 90 Medien beteiligt, in Deutschland neben der "SZ" auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sowie der Westdeutsche Rundfunk (WDR). Die Daten wurden demnach über ein Jahr lang ausgewertet.

Kanzlei Appleby: "Legale Offshore-Praktiken"

Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Man nehme alle Vorwürfe "extrem ernst".

Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe. Appleby sprach nicht von einem Datenleck, sondern von einem illegalen "Cyber-Angriff".

US-Handelsminister Wilbur Ross im Blickpunkt

Besonders in den Fokus wird von der "Süddeutschen Zeitung" und den anderen beteiligten internationalen Medien US-Handelsminister Wilbur Ross gerückt. Er profitiere als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre.

Sonderermittler Robert Mueller untersucht derzeit mögliche Kontakte der US-Regierung nach Russland im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl und eine mögliche Beeinflussung aus Moskau, um dem Trump-Lager zum Sieg zu verhelfen.

Im Fall des US-Handelsministers soll es um eine Beteiligung an einer Reederei gehen, zu deren Großkunden der russische Energiekonzern Sibur gehöre. Navigator habe seit 2014 mit Sibur Geschäfte im Wert von mehr als 68 Millionen Dollar abgewickelt. Allerdings bleibe unklar, wie stark Ross hier engagiert sei.

Es ist bekannt, dass der Milliardär große Investments im Schifffahrtsbereich hat und das Thema Offshore-Firmen war auch bereits ein Thema bei seinem Bestätigungsverfahren im Senat. Ross bestreitet nach Angaben der Zeitung, dass seine Geldanlage Einfluss auf seine Amtsführung habe.

Nach Panama Papers nun Paradise Papers

Die "Panama Papers"-Enthüllungen führten 2016 weltweit zu Ermittlungen. Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die von ICIJ-Journalisten weltweit ausgewertet wurden, zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten - was nicht unbedingt strafbar ist. Die 11,5 Millionen Dateien umfassten E-Mails, Urkunden und Kontoauszüge zu 214 000 Gesellschaften vor allem in der Karibik.

Dabei tauchen die Namen von 140 Politikern oder Politikervertrauten auf, darunter die Staatschefs Argentiniens und der Ukraine, Mauricio Macri und Petro Poroschenko. In Island führte die Veröffentlichung zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson und zum Verzicht des Staatschefs Ólafur Ragnar Grímsson auf eine Wiederwahl. In Pakistan wurde Ministerpräsident Nawaz Sharif des Amtes enthoben. Das ICIJ erhielt für die Enthüllungen der "Panama Papers" 2017 die höchste Auszeichnung im US-Journalismus, den Pulitzer Preis.

la/dpa

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH