Freitag, 30. September 2016

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Umsatzrückgang erwartet Erosion in Osrams Kerngeschäft

Energiesparlampen: Das Geschäft mit herkömmlichen Leuchtmitteln schrumpft stark. Beim MDax-Konzern macht es mit 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz aber noch rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus

Das traditionelle Geschäft mit Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren schrumpft rapide: In einem Extremszenario rechnet Osram, der zweitgrößte Lichthersteller der Welt, für das Geschäftsjahr 2014 mit einem Umsatzminus von rund 500 Millionen Euro in seinem traditionellen Geschäft.

Hamburg - Schlechte Neuigkeiten für die von einer eindrucksvollen Kursrallye verwöhnten Osram-Aktionäre: Kurz vor der Bekanntgabe der Quartalsdaten am Mittwoch dieser Woche erfuhr manager magazin online, dass das Geschäft mit konventionellen Beleuchtungsprodukten schneller schrumpft als prognostiziert.

Interne Überlegungen gehen davon aus, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2014 (zum 30. September) um mehr als eine halbe Milliarde Euro im traditionellen Geschäft zurück geht.

Offiziell wollte sich das Unternehmen vor der Veröffentlichung der Finanzdaten nicht zum geschäftlichen Verlauf äußern. Allerdings sagte ein Unternehmenssprecher: "Wir haben Anfang April auf unserem Kapitalmarkttag auf die beschleunigt rückläufige Entwicklung des Marktes für traditionelle Technologien hingewiesen. Dieser Trend hält weiter an."

Derzeit befindet sich der Lichtmarkt in einem grundlegenden technischen Umbruch. Herkömmliche Leuchtmittel werden zunehmend durch die energiesparenden LEDs ersetzt. So geht auch bei Osram Börsen-Chart zeigen schon seit einiger Zeit der Umsatz mit Energiesparbirnen und Leuchtstoffröhren zurück. Im vergangenen September erst kündigte das Unternehmen an, in den USA den Service für die klassische Beleuchtungswartung zu streichen.

Dennoch macht das traditionelle Geschäft mit mehr als 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz noch immer zwei Drittel des Gesamtvolumens des zweitgrößten Lichtherstellers der Welt aus. Derzeit kalkuliert das Unternehmen mit einem Umsatzverfall in diesem Bereich von rund 7 Prozent auf einer um Währungseffekte bereinigten Basis. Allein durch die Fortschreibung dieses Trends aus dem ersten Quartal des Osram-Jahres lässt sich für das gesamte Jahr ein Minus von 300 Millionen Euro berechnen.

Vorstandschef Dehen wird die Ziele nur schwer erfüllen können

Auf dieser Grundlage beruht auch die Prognose von Osram-Vorstandschef Wolfgang Dehen, den Gesamtumsatz des Unternehmens im laufenden Geschäftsjahr um mehr als 3 Prozent steigern zu können. Nun dürfte es ihm schwer fallen, diese Vorhersage einzuhalten, die er noch Anfang April auf der Branchenmesse Light&Building wiederholt hatte - sei es auch unter Hinweis auf die herausfordernden Marktbedingungen.

In den vergangenen Wochen haben auch Wettbewerber wie Philips Börsen-Chart zeigen und GE von einem sehr viel schnelleren Verfall der Nachfrage nach konventionellem Licht berichtet. Aus dieser Entwicklung resultieren nun auch die internen Kalkulationen, die Volumenrückgänge von mehr als 500 Millionen Euro nicht ausschließen.

Das versprochene Umsatzplus müssen nun die halbleiterbasierten Produkte (SSL), zu denen vor allem die LEDs zählen, erwirtschaften. Diese entwickeln sich zwar sehr dynamisch. Doch um den beschleunigten Rückgang bei herkömmlichen Lampen zu kompensieren, müssten die Wachstumsraten bei SSL deutlich über denen des ersten Quartals liegen (bereinigt knapp 28 Prozent).

Osram will die Preise jetzt nicht im großen Stil senken

Trotz des beschleunigten Strukturwandels hin zum LED-Licht werde Osram ein "vernünftiges Jahresergebnis" erzielen, hieß es weiter aus dem Unternehmen. Osram versuche die guten Margen in seinem traditionellen Geschäft zu halten und werde nicht im großen Stil die Preise senken, um Marktanteile in diesem Bereich zu verteidigen.

Ob allerdings die von Dehen vorhergesagten guten 8 Prozent Marge erzielt werden, scheint zumindest fraglich. Zwar erwirtschaftet die reine Chipproduktion, die auch LEDs für Industrie und Telekommunikation liefert, ansehnliche Gewinne. Doch der im Aufbau befindliche SSL-Sektor im Lichtgeschäft arbeitet nicht profitabel. Derzeit setzt das Unternehmen ein ambitioniertes Sparprogramm um, das die Kosten in den drei Jahren bis 2015 um kumuliert 1,2 Milliarden Euro senken soll. 8700 Stellen sollen wegfallen. Ende 2013 beschäftigte Osram noch 35.000 Mitarbeiter.

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