Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Prozess gegen Josef Esch und Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder Von Visionären und Ganoven - Esch, Schröder und die Kölner Bau-Bonanza

Immobilien-Zampano Josef Esch (2. von links) im Kölner Landgericht: Einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sehen die Staatsanwälte. Seine Verteidiger sehen Esch eher als Visionär

In Köln hat der wohl letzte Strafprozess in der Oppenheim-Esch-Affäre begonnen. Erstmals stehen zwei der Hauptakteure im Mittelpunkt der Anklage. Fondsexperte Josef Esch und Gustav Adolf Schröder, Ex-Chef der Sparkasse KölnBonn. Zum Prozessauftakt prallen zwei Weltsichten aufeinander.

Mit Zahlen war Josef Esch (60) immer sehr flink. Im Kopf kalkulierte er einst in Sekundenschnelle bei großen Bauprojekten mit 20.000, 30.000 oder 40.000 Quadratmetern Bruttofläche die Kosten bis auf den Cent samt der möglichen Rendite für Investoren. Mit oder ohne Parkhaus? Egal. Schließlich war er als gelernter Maurer vom Fach. Damit beeindruckte er einst viele seiner Kunden aus den vermögendsten Kreisen im Land, und sie vertrauten ihm jahrelang Millionensummen an.

Flink mit Zahlen ist Esch noch immer. Als Christof Wuttke, Vorsitzender Richter am Landgericht Köln, bei der Feststellung der Personalien Eschs Geburtsjahr irrtümlich mit "'57" angibt, korrigiert ihn Esch blitzschnell: "'56". Das wäre also schon mal geklärt.

Ansonsten bleibt aber noch sehr vieles aufzuklären in dem großen Strafprozess, dem sich Esch nun gegenübersieht. Das Verfahren vor der 18. Großen Strafkammer ist wohl das Letzte, das die Affäre rund um Eschs langjährige Zusammenarbeit mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim ausleuchten wird.

Der Immobilien-Mann aus Troisdorf kam bisher glimpflich davon

Bisher kam der umstrittene Immobilien-Mann aus Troisdorf glimpflich davon. Beim großen Prozess gegen die Ex-Manager und Eigentümer von Sal. Oppenheim musste er zwar mehr als 120 Tage auf der Anklagebank ausharren. Doch er kam mit Geldauflagen davon, während die anderen vier Angeklagten Mitte 2015 zu Haftstrafen verurteilt wurden. Drei nur auf Bewährung, aber einer müsste sogar ins Gefängnis, wenn das Urteil in der Revision bestätigt werden sollte.

Doch eins ist dieses Mal neu für Esch: Anders als beim ersten Strafprozess und auch bei den zahlreichen Zivilklagen empörter Fondsanleger sitzt Esch nun in der ersten Reihe der Beschuldigten - Seite an Seite mit dem Ex-Chef der Sparkasse KölnBonn (SKB), Gustav Adolf Schröder (74).

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