Donnerstag, 30. Juni 2016

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Deutsche Autobauer geraten ins Hintertreffen Warum der niedrige Ölpreis mehr Fluch als Segen ist

Daimler: Im boomenden US-Markt profitieren deutsche SUV weniger stark
Der Ölpreis hat in den vergangenen Monaten eine rasante Talfahrt hinter sich: Lag er im Jahresmittel 2014 noch bei 99 US-Dollar je Barrel, sank er 2015 auf durchschnittlich 54 Dollar. Inzwischen liegt er bei weniger als 30 Dollar, die Investmentbank JP Morgan hat ihre Prognose für 2016 für Brent-Rohöl Börsen-Chart zeigen von ursprünglich 51,50 auf 31,50 Dollar je Barrel abgesenkt. Für das zweite Quartal rechnen die JP-Morgan-Experten sogar nur noch mit einem Durchschnittspreis von 25 Dollar, erst im zweiten Halbjahr dürfte der Ölpreis wieder etwas klettern, so die Prognose.

Ulrich Winzen
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    Winzen
    Ulrich Winzen blickt auf eine 25-jährige Erfahrung im Bereich der Analyse und Prognose für die Automobilindustrie zurück. Seit 2015 analysiert und prognostiziert er als freier Automobilmarktanalyst regelmäßig die Entwicklungen auf den Automobilmärkten. Außerdem ist er Partner der Unternehmensberatung meos automotive consulting. www.meos.info
Wenn nach dem Ende der Sanktionen nun auch der Iran sein Rohöl auf dem europäischen und amerikanischen Markt verkauft, verdrängt er damit bisherige Lieferanten aus dem Geschäft. Angesichts des niedrigen Preisniveaus kann es sich jedoch kein Ölproduzent der Welt leisten, weniger Öl zu verkaufen. Die Folge: Die Abwärtsspirale beim Preis dürfte sich nochmals beschleunigen. Denn nichts deutet darauf hin, dass die OPEC-Länder, die untereinander selbst in hartem Wettbewerb stehen, ihre Preisstrategie ändern, mit der sie die amerikanischen Fracking-Unternehmen dauerhaft in die Knie zu zwingen wollen.

Für die Autofahrer sind die Niedrigpreise an den Zapfsäulen ein Segen, sparen sie doch in Deutschland zirka 500 Euro pro Jahr an der Tankstelle. Zudem werden die Haushalte auch durch niedrigere allgemeine Energiekosten entlastet. Für die Autobauer - speziell für die deutschen - ist die Entwicklung dagegen alles andere als ein Segen. Auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders aussieht.

Das Märchen vom Absatzbeschleuniger

Die gesamten Neuzulassungen in Westeuropa und den USA entwickeln sich weitgehend unabhängig vom Ölpreis
Als Grund für die überraschend positive Entwicklung des Autoabsatzes in den USA und Westeuropa wird immer wieder der niedrige Ölpreis genannt. Dieses Argument hält aber einer genauen Analyse nicht stand. Die Zahl der Neuzulassungen entwickelt sich seit der Krise 2009 relativ unabhängig vom Ölpreis, hauptsächliche Treiber waren vielmehr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, das niedrige Zinsniveau sowie ein enormer Nachholbedarf aus den Krisenjahren.

In den USA begann die Erholung des Pkw-Markts bereits 2010, die Nachfrage stieg innerhalb von vier Jahren um fast 50 Prozent - obwohl der Ölpreis im selben Zeitraum um 75 Prozent stieg. Auch das für dieses Jahr erwartete weitere Wachstum Nachfrage auf voraussichtlich 18 Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr ist mehr der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und den anhaltend niedrigen Zinsen geschuldet als dem seit 2014 sinkenden Ölpreis.

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