Montag, 20. August 2018

NSA-Affäre Telekom-Chef Obermann rügt Berlin und Brüssel

Telekom-Chef Obermann: "demokratiegefährdende" Spionageaktivitäten

Telekom-Chef René Obermann wirft der Bundesregierung und der EU-Kommission zögerliches Vorgehen in der NSA-Affäre vor: Wenn US-Unternehmen hier Geschäfte machen wollten, so Obermann in einem Medienbericht, "dann haben sie sich an unsere Standards zu halten".

Bonn - Der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, hat die Bundesregierung und die EU-Kommission in der NSA-Abhöraffäre aufgefordert, sich gegenüber den USA stärker für die Einhaltung von Datenschutzstandards einzusetzen. "Die Spitzeleien haben das Vertrauen in zwei Grundpfeiler unserer Gesellschaft, die freie Kommunikation und die Privatsphäre, erschüttert", sagte Obermann dem "Handelsblatt". Die Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes seien "sogar demokratiegefährdend", fügte er hinzu.

Die Untätigkeit der in Berlin und Brüssel Verantwortlichen sei nicht hinnehmbar. "Ich verstehe die Leisetreterei nicht", sagte Obermann der Zeitung. Es sei fahrlässig, dass so wenig geschehe. "Europa könnte ruhig mal selbstbewusst die gemeinsamen Regeln nach außen tragen."

Wenn Unternehmen aus den USA oder jedem anderen Land hier Geschäfte machen wollten, "dann haben sie sich an unsere Standards zu halten", betonte der Telekom-Chef. Er forderte zudem eine schnelle Harmonisierung der europäischen Datenschutzgesetze. Künftig müssten alle EU-Bürger in der Lage sein, ihren Anspruch auf eine geschützte Privatsphäre im Notfall auch einklagen zu können.

Obermann gibt sein Amt an der Spitze der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen Ende des Jahres an den bisherigen Finanzchef Timotheus Höttges ab. Obermann wechselt zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo.

ts/afp

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