Mittwoch, 14. November 2018

Reaktion auf Vormarsch von Privatbetten-Vermittler Airbnb Touristik-Dino kauft Angreifer - Novasol schluckt Rocket-Internet-Start-up

Bislang kein take-off: Wimdu-Zentrale in Berlin.
www.sabine-oster.com
Bislang kein take-off: Wimdu-Zentrale in Berlin.

Nicht einmal zwei Monate nach der angekündigten Fusion der Airbnb-Wettbewerber 9Flats und Wimdu gehen beide Vermittler von Unterkünften wieder getrennte Wege - womöglich aber nur vorübergehend. Der dänische Ferienwohnungsvermittler Novasol will das frühere Rocket Internet Start-up Wimdu übernehmen. Das sagte Novasol-Chef Bernd Muckenschnabel (64) manager-magazin.de. Novasol ist mit 44 000 Einheiten einer der größten europäischen Ferienwohnungsvermittler und gehört zum börsennotierten US-Reiseunternehmen Wyndham Worldwide, die etwa auch die Ketten Ramada und Tryp betreiben.

Wimdu und 9Flats hatten erst Anfang Oktober ihre Fusion bekannt gegeben. Beide Unternehmen konnten die Expansion des US-Originals Airbnb nicht aufhalten. Zusammen bieten sie 500 000 Unterkünfte an, gerade einmal ein Sechstel des Inventars des Marktführers. Airbnb erhielt von Investoren drei Milliarden Dollar Risikokapital und sicherte sich zusätzlich einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die beiden deutschen Herausforderer bekamen zusammen nicht einmal 100 Millionen Euro Venture Capital.

Rocket Internet hatte bei Wimdu im Sommer noch über Personalabbau drastisch die Kosten gesenkt. Sogar ein Aus stand zur Diskussion. Das Unternehmen soll bis heute bis zu 60 Millionen Euro Verlust angehäuft haben. 2011 hatte Rocket noch angekündigt, Wimdu stünden 90 Millionen Venture Capital zur Verfügung, eine für damalige Verhältnisse in Deutschland außergewöhnliche Summe, die Insider aber immer wieder bezweifelten. Die bei erfolgreicheren Start-ups übliche Anschlussfinanzierung blieb aus. Zu schnell hatte Airbnb den Markt dominiert.

Die Fusion mit 9Flats dürfte Wimdu schließlich vor dem Ende bewahrt haben. Nach Angaben von 9Flats-Chef Roman Bach würden die beiden Unternehmen zusammen einen Reiseumsatz von 100 Millionen Euro erzielen. Unmittelbar nach dem Zusammenschluss beider Unternehmen hatten mit der Situation vertraute Investoren angedeutet, dass ein Verkauf beider Portale avisiert werde.

Warum Novasol nun nur Wimdu übernehmen will, wollten Bach und Muckenschnabel auf Nachfrage nicht direkt beantworten. "Unser Appetit ist groß, aber wir essen am liebsten häppchenweise", sagte Muckenschnabel nur. Bach verwies auf einen noch nicht abgeschlossenen Neugruppierungsprozess. "Die Karten sind noch nicht gelegt", sagte er manager-magazin.de.

Nach Recherchen von manager-magazin.de hat die nun einfachere Eigentümerstruktur den Verkauf von Wimdu schneller möglich gemacht. Wimdu gehörte allein 9Flats Singapur, deren Gesellschafter nur Stephan Uhrenbacher (Quipe, Flio) und Roman Bach sind. Die 9Flats GmbH ist zwar ebenfalls unter dem Dach der 9Flats Singapur gruppiert, hat aber etwa mit Redpoint Ventures und eVentures noch weitere Gesellschafter. Durch den Verkauf von Wimdu sollen auch die Alteigentümer Kinnevik und Rocket Internet noch Geld erhalten, allerdings dürfte das bei Weitem nicht annährend so viel sein, wie sie ursprünglich in Wimdu investiert hatten. Über die tatsächliche Kaufsumme schweigen alle Beteiligten.

Der Verkaufsprozess sei binnen vier Wochen erfolgt und soll im Januar nach Zustimmung des Kartellamts abgeschlossen werden. Dadurch dürfte Wimdu auch eine weitere Schrumpfkur erspart geblieben sein. Novasol-Chef Muckenschnabel will eigenen Angaben zufolge die 125 Mitarbeiter an den Standorten in Lissabon und Berlin weiter beschäftigen. Das Unternehmen müsse aber binnen der kommenden zwölf Monate profitabel sein, hieß es.

Novasol zählt bisher 800 Mitarbeiter, in der Hauptreisezeit arbeiten allerdings 1600 Personen für das Unternehmen. Der Ferienwohnungsvermittler machte 2015 laut Geschäftsbericht einen Gewinn von umgerechnet 14,5 Millionen Euro bei einem Umsatz umgerechnet 91 Millionen Euro.

Novasol ist bisher vor allem auf Ferienwohnungen im ländlichen Bereich spezialisiert. "Bei Städten waren wir bislang nicht gut positioniert. Daher ist Wimdu für uns eine gute Ergänzung", sagte Muckenschnabel. Plattformen wie Airbnb, Wimdu und 9Flats hätten eine riesige Revolution angestoßen. Das müsse er anerkennen, sagte Muckenschnabel weiter. Er habe bereits früher schon einmal den Kontakt zu Wimdu gesucht, sei damals aber belächelt worden. Novasol verzeichnete in den vergangenen Jahren dem Geschäftsbericht zufolge deutliche Umsatzzuwächse. "Die Leute suchen keine Plastikwelten, sondern Authentizität", sagte Muckenschnabel über die Entwicklung.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH