Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ex-Rennfahrer erhält Zuschlag für Air-Berlin-Tochter Niki Lauda holt sich Niki zurück

Jetzt ist es wieder "seine" Fluglinie: Ex-Rennfahrer und Luftfahrtunternehmer Niki Lauda

Die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki geht zurück in die Hände von Airline-Gründer Niki Lauda. Das erklärte am Morgen der österreichische Gläubigerausschuss. Lauda will mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Flugtochter Condor den Flugbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen.

Im Poker um die insolvente österreichische Air-Berlin-Tochter Niki hat der Airline-Gründer Niki Lauda überraschend den Zuschlag bekommen. "Aus einem transparenten Bieterprozess ist heute in den frühen Morgenstunden die Laudamotion GmbH als Bestbieter hervorgegangen", teilten die Insolvenzverwalter Ulla Reisch und Lucas Flöther am frühen Dienstagmorgen mit.

Der spanisch-britische Luftfahrtkonzern IAG, der in einem ersten Verkaufsprozess den Zuschlag erhalten hatte, ging leer aus. Der österreichische Gläubigerausschuss habe sich einstimmig das Angebot von Laudas Firma ausgesprochen. Es werde eine schnelle insolvenzrechtliche Genehmigung in Österreich und Deutschland erwartet.

Details zum Angebot von Lauda wurden nicht mitgeteilt. Die IAG hatte mit ihrer Billigtochter Vueling für Niki 20 Millionen Euro und weitere 16,5 Millionen Euro als Massekredit zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes geboten.

Der frühere Formel-1-Rennfahrer Lauda, der die Airlinie 2003 gegründet hatte und 2011 ausgestiegen war, will bei Niki mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Flugtochter Condor zusammenarbeiten. In Verhandlungen mit dem großen Konkurrenten Lufthansa Börsen-Chart zeigen habe er sich bereits 15 Flugzeuge gesichert, um bei einem Zuschlag im März den Flugbetrieb aufnehmen zu können, hatte Lauda am Sonntag gesagt.

Verlagerung des Insolvenzverfahrens nach Österreich brachte die Wende

Ursprünglich hatte die British-Airways-Mutter IAG den Kauf von Niki kurz vor dem Jahreswechsel mit dem deutschen Insolvenzverwalter ausgehandelt, nachdem eine Übernahme durch die Lufthansa an Bedenken der EU-Wettbewerbshüter gescheitert war. IAG wollte Niki ihrer Billigtochter Vueling zuschlagen. Auf Antrag des Fluggastportals Fairplane war aber in Österreich ein zweites Insolvenzverfahren am Landgericht Korneuburg eröffnet worden. Damit hatten Bieter erneut eine Chance, ein Angebot zu unterbreiten.

Der deutsche Insolvenzverwalter der Air-Berlin-Tochter Niki kündigte daraufhin an, mit seiner österreichischen Kollegin zusammen den Verkauf über die Bühne bringen. Die Unterschrift beider lnsolvenzverwalter soll dabei dem Erwerber Rechssicherheit für den Vollzug des Kaufvertrages gewähren.

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Niki selbst hatte gegen den Beschluss des Landgerichts Berlin, wonach die Insolvenz von Niki in Österreich und nicht in Deutschland abgewickelt werden müsse, Beschwerde beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt. Ursprünglich hatte sich das Amtsgericht Charlottenburg für die Niki-Insolvenz für zuständig erklärt, weil das operative Geschäft und die Führung von Niki am Sitz der Konzernmutter Air Berlin angesiedelt gewesen seien.

Im neuen Insolvenzverfahren in Österreich war am Freitag die Frist für Angebote abgelaufen. Ausschlaggebend für den Zuschlag sind früheren Angaben der Insolvenzverwalter zufolge "der Kaufpreis, die Finanzierungsfähigkeit des Bieters sowie der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze". Neben IAG und Lauda hatte auch der irische Billigflieger Ryanair Interesse signalisiert.

Viele Niki-Piloten sollen Angebote von anderen Fluggesellschaften haben

Die Entscheidung für Lauda dürfte bei den rund 1000 Niki-Beschäftigten nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Betriebsratschef Stefan Tankovits war im Vorfeld des Gläubigerausschusses davon ausgegangen, dass alle 220 Piloten in diesem Fall kündigen würden. Lauda genießt laut Tankovits nicht den besten Ruf als Arbeitgeber. Als er Chef der Airline war, seien die Piloten bei einer Personalleasing-Firma angestellt gewesen.

Am Dienstag ruderte Tankovits verbal zurück: Die Mitarbeiter der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki müssten sich nach keine Sorgen um ihre Jobs machen. "Unsere Angaben sind, dass alle Mitarbeiter ein Angebot bekommen werden", sagte er in einem Interview mit dem ORF-Radio und ergänzte: Angesichts der Unsicherheiten über die Zukunft der Fluglinie hätten bisher rund 50 Flugbegleiter der insgesamt rund 1000 Niki-Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Auch viele Piloten hätten bereits Angebote von anderen Fluglinien.

rei/Reuters/dpa

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