Dienstag, 20. November 2018

Positionen abseits des Tagesgeschäfts  Warum sich klare Kante für CEOs lohnen kann

Einer der politischeren CEOs in Deutschland: Siemens-Chef Joe Kaeser

Die jüngst vergangenen Wochen dürfte Siemens-Chef Joe Kaeser in eher schlechter Erinnerung haben. Angesichts des mutmaßlichen Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi zögerte er lange, bis er schließlich den Besuch einer Investoren-Konferenz in Riad absagte.

Schon in der Vergangenheit hatte der Siemens-Chef sich politisch prononciert gezeigt, beispielsweise gegen die AfD, als deren Fraktionsvorsitzende Alice Weidel "Kopftuchmädchen" als Sozialschmarotzer beschimpfte. Lieber "Kopftuch-Mädel" als "Bund Deutscher Mädel", twittert er. Und warf Weidel vor, mit ihrem Nationalismus dem Ansehen des Landes zu schaden.

Von seinen Kollegen sprang ihm niemand bei.

In deutschen Konzernen ist es bislang weitgehend unüblich, sich zu politischen Themen zu äußern, die nichts mit dem direkten Kerngeschäft zu tun haben. Hier herrscht bei vielen CEOs noch Angst davor, potenzielle Kunden oder auch Aktionäre vor den Kopf zu stoßen. In den USA sieht das allerdings schon anders aus. Hier melden sich immer mehr Firmenchefs auch allgemeinpolitisch zu Wort - und haben damit auch durchaus geschäftlich Erfolg.

Dabei ist in den USA traditionell - auch aufgrund der unterschiedlichen Wahlkampfführung - die Verknüpfung von Wirtschaft und Politik sehr viel enger. Dass Unternehmen oder einzelne Clans - wie beispielsweise das Netzwerk der erzkonservativen Industriellen-Brüder Charles und David Koch - teils dreistellige Millionenbeträge für Parteien und einzelne Kandidaten beziehungsweise so genannte PACs (Political Action Comittees) ausgeben, ist hier nicht unüblich.

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