Freitag, 1. Juli 2016

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Ausrüstervertrag im Wert von 250 Millionen Dollar Von diesen Summen träumt die Bundesliga - warum Nike US-Unis mit Geld zuschüttet

"Hook 'em Horns!" Die Marschkapelle der University of Texas at Austin hat Grund zum Feiern. Die Studenten aus Texas erhalten von Nike viermal so viel Geld pro Jahr wie der Bundesligist und Nike-Vertragspartner Hertha BSC
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"Hook 'em Horns!" Die Marschkapelle der University of Texas at Austin hat Grund zum Feiern. Die Studenten aus Texas erhalten von Nike viermal so viel Geld pro Jahr wie der Bundesligist und Nike-Vertragspartner Hertha BSC

15 Jahre Laufzeit, 250 Millionen Dollar Wert: Die University of Texas at Austin hat laut Berichten einen Riesen-Deal mit Sportartikel-Primus Nike Börsen-Chart zeigen abgeschlossen. Wie groß der Ausrüstervertrag ist, zeigt ein Vergleich mit der Bundesliga: Die Longhorns aus Texas erhalten laut ihres neuen Vertrags pro Jahr über 16 Millionen Dollar - Hertha BSC Berlin, Nikes ältester deutscher Partner, erhält laut Berliner Morgenpost für 10 Jahre bis zu 40 Millionen Euro, das heißt etwa 4 Millionen Euro pro Saison.

Die Texaner sind nicht die einzigen Uni-Sportler, die riesige Summen von ihren Ausrüstern kassieren. Die Universität Michigan hat jüngst ebenfalls einen langjährigen Vertrag mit Nike abgeschlossen, Gesamtwert: 169 Millionen Dollar. Auch Adidas Börsen-Chart zeigen und Under Armour haben verschiedene Universitäten langfristig an sich gebunden und lassen sich das bis zu 10 Millionen Dollar pro Jahr kosten.

Selbst im chronisch geldüberfluteten US-Sport sind das große Summen. "Ich bin überwältigt", urteilte vor kurzem Mike Ozanian, der für "Forbes" das US-Sport-Business beobachtet. In den vergangenen Jahren hätten sich bereits die Medienkonzerne ein Wettbieten um Übertragungsrechte von College-Sportveranstaltungen geliefert; nun sei dieser Konkurrenzkampf auch bei den Ausrüstern angekommen.

Der Sport-Kanal der Universität hat 25 Millionen zahlende Kunden

Für Ozanian ist der US-Collegemarkt nur ein weiterer Stellvertreterkrieg im globalen Wettstreit von Nike, Adidas und Under Armour. Der Markt sei sehr umkämpft, sagt auch Berater Chris Bevilacqua, schließlich habe Under Armour jüngst Deutschlands Branchenprimus als zweitgrößter Sportartikler der USA abgelöst - obwohl Adidas noch vor wenigen Jahren weit vorn gelegen hatte.

Dass die Konzerne sich gerade jetzt um US-Universitäten balgten, hänge mit dem vorangegangenen Preiskampf der TV-Sender zusammen. Insbesondere College-Football sei zu einem echten Massenphänomen geworden. Das Big Ten Network, ein Sportkanal, den die Big-Ten-Liga von Universitäten aus dem Mittleren Westen gemeinsam mit Fox Sports betreibt, hat laut "Forbes" etwa 62 Millionen Abonnenten.

Das Longhorn Network, ein ESPN-Kanal, der rund um die Uhr Spiele der verschiedenen Teams der University of Texas at Austin sendet, zählt 25 Millionen zahlende Kunden - obwohl das Football-Team der Universität derzeit eher "eine Saison zum Vergessen" spielt, wie es NFL-College-Football-Experte Chase Goodbread ausdrückt. Nike habe das allerdings einkalkuliert, der Wert des Vertrags übersteige die aktuellen Leistungen des Aushängeschilds der Universität.

"Unis wie Texas werden immer die größten Deals abgreifen"

Für Chris Bevilacqua spielt der sportliche Erfolg bei Ausrüsterverträgen generell nur eine untergeordnete Rolle: Universitäten wie Texas, Nortre Dame, Michigan oder Ohio State, die alle landesweit für ihre exzellenten Sportprogramme bekannt seien, "werden immer als Premium-Marken wahrgenommen. Sie werden immer die größten Deals abgreifen."

Viele von ihnen seien mittlerweile auch auf die großen Summen der Industrie angewiesen. "Es wird immer teurer, ein Sportprogramm auf die Beine zu stellen", sagte Bevilacqua bei "Forbes". Nicht nur für Spielstätten und Trainingseinrichtungen müsse viel Geld aufgebracht werden - im Zuge der Professionalisierung kämen auch immer häufiger teure Justizverfahren hinzu.

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