Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Ärgerlich für China Seltene Erden sind doch nicht so selten

Lanthanum-Schmelze in China: Die Preis für Metalle der Seltenen Erden sind drastisch gesunken

Seltene Erden gelten als zentrale Rohstoffe für die Wirtschaft von morgen, so werden sie für Elektromotoren benötigt. Lange reklamierte China ein Monopol auf Neodym und Co. Doch dieses Kalkül geht nicht auf - die Industrie hat Alternativen gefunden.

Hamburg - Um seinen Reichtum an Metallen der Seltenen Erden macht China gern ein großes Geheimnis. Kaum ein Abgesandter westlicher Konzerne oder Medien hat die gigantischen Bergwerke im Landesinnern je zu Gesicht bekommen, in denen Neodym, Lanthan, Yttrium und andere Stoffe abgebaut werden.

Es mag an fragwürdigen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung liegen, die Berichten zufolge mit dem Abbau verbunden sind. Doch vor allem gelten Ausmaß und Art der Vorkommen China als Staatsgeheimnis, weil sie das Rückgrat der Wirtschaft von morgen bilden sollen.

In Elektroautos, Windrädern und Energiesparlampen finden sie Anwendung - aber auch in modernen Waffensysteme. Und es traf sich gut, dass China praktisch ein Monopol auf die Produktion der Seltenen Erden besaß: Bei 98 Prozent lag der chinesische Anteil am Weltmarkt, der Export wurde streng reglementiert.

Doch nun scheint es, als gerate Chinas komfortable Lage in Gefahr. Die Preise für Seltene Erden sind in den vergangenen Monaten kräftig gepurzelt, wie die Financial Times berichtet. So verbilligte sich Lathanumoxid von 16,26 Dollar pro Kilogramm im Jahr 2011 auf 3,24 Dollar im zweiten Quartal 2014.

Westliche Firmen erschließen eigene Vorkommen

Chinas Rechnung, Seltene Erden nur gegen einen hohen Preis abzugeben, geht nicht auf, weil in den Weltmarkt Bewegung geraten ist. Westliche Firmen wie Molycorp (USA) und Lynas (Australien) haben aufgrund der hohen Preise selbst kräftig in den Abbau investiert.

Denn anders als es der Name vermuten lässt, sind Metalle der Seltenen Erden nicht wirklich selten - allerdings lohnte sich der Abbau vielerorts lange nicht. Molycorp hat dem Bericht zufolge nun eine Mine in Kalifornien reaktiviert. Lynas eröffnete einen Verarbeitungsbetrieb in Malaysia mit Unterstützung der japanischen Regierung. Der chinesische Anteil am Seltene-Erden-Markt sank laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auch deshalb auf 92,1 Prozent im vergangenen Jahr.

Gleichzeitig haben viele Industriekunden Alternativen zu den Metallen gefunden. So wird Dysprosium zwar in großen Mengen für Elektroautos benötigt, doch für andere Anwendungen lässt sich der Einsatz erheblich reduzieren. Neue Fabriken von Hitachi Börsen-Chart zeigen und einem Konsortium von Mitsubishi Börsen-Chart zeigen, Daido Steel und Molycorp stellen Magnete her, die ein Minimum an Dysprosium benötigen.

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