Montag, 22. Januar 2018

US-Studie So schlecht hat Big Pharma die Kosten im Griff

Volkswirtschaftliche Verschwendung: Steigende Arzneimittelkosten überlasten die Gesundheitssysteme weltweit

2,6 Milliarden Dollar kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments laut einer Studie - mehr als doppelt so viel wie nach einer vorigen Schätzung. Die Branche kann mit dieser Zahl jetzt für höhere Preise und gegen Regulierung werben. Zugleich gibt sie aber Anlass für reichlich Kritik.

Hamburg - Noch hat Joe DiMasi seine Studie nicht veröffentlicht. Doch die Zahl, die der Forscher von der Bostoner Tufts-Universität per Pressemitteilung kommuniziert, macht in der Pharmaindustrie bereits die Runde: Auf 2,558 Milliarden Dollar belaufen sich demnach die Entwicklungskosten der Industrie pro erfolgreich vermarktetem Medikament. Vor zehn Jahren hatte DiMasi in einer ähnlichen Untersuchung noch die Zahl von 802 Millionen Dollar (um Inflation bereinigt, zu heutigen Preisen 1,04 Milliarden) publiziert.

Wenn die Zahl stimmt, signalisiert sie eine gewaltige Kostenexplosion, die weltweit die Gesundheitssysteme zu überlasten droht. Da es sich um Daten gewinnorientierter Unternehmen handelt, müssen die Last letztlich die Patienten beziehungsweise die Gemeinschaft der Krankenversicherten tragen.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die für bezahlbaren Zugang zu Medikamenten auch in armen Ländern wirbt, reagiert mit einem wütenden Statement auf die Rechnung. "Wer das glaubt, glaubt wohl auch, dass die Erde eine Scheibe ist", ätzt Rohit Malpani, politischer Leiter der Kampagne.

Es gebe andere Studien, die den echten Entwicklungsaufwand mit 186 Millionen Dollar pro Arznei bezifferten - selbst unter Berücksichtigung der gescheiterten Forschungsvorhaben. Zudem werde heute die Hälfte der Forschungskosten gar nicht von den Konzernen selbst getragen, sondern von gemeinnützigen Organisationen oder dem Staat. Der Steuerzahler bezahle doppelt - ein Echo auf die Thesen der Innovationsökonomin Mariana Mazzucato.

Malpani sieht die Tufts-Forscher, deren Institut sich nach eigenen Angaben zu 40 Prozent aus Beiträgen der Unternehmen finanziert, als Lakaien der Industrie. Als Kronzeugen beruft er sich auf Andrew Witty. Der Chef von GlaxoSmithKline Börsen-Chart zeigen habe selbst von einem "Mythos" gesprochen, dass neue Arzneien Milliardenbeträge kosteten.

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