Samstag, 27. August 2016

Naturkatastrophen-Bilanz 2015 Die Armen bleiben auf den Schäden sitzen

Milliardenschäden: Die fünf größten Naturkatstrophen 2015
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DPA

Naturkatastrophen haben die Versicherungswirtschaft im Jahr 2015 weniger gebeutelt. Erdbeben und Stürme trafen die Menschen dafür um so härter - 23.000 Menschen starben. Hunderttausende wie in Nepal sind immer noch obdachlos.

Die Naturkatastrophen-Bilanz des vergangenen Jahres stimmt zwiespältig. Zum einen können Rückversicherer und Erstversicherer aufatmen. Sind doch die von Unternehmen zu tragenden Schäden so gering wie seit Jahren nicht mehr. Zum anderen haben Erdbeben, Überschwemmungen und Hitzewellen deutlich mehr Menschenleben gekostet als im Vorjahr.

Etwa 23.000 Menschen verloren bei Naturkatastrophen ihr Leben, alleine 9000 starben bei dem schweren Erdbeben in Nepal im April vergangenen Jahres, teilt die Munich Re am Montag mit. Im Vorjahr hatte sich die Zahl der Todesopfer auf 7700 belaufen.

Die Gesamtschäden summierten sich im vergangenen Jahr auf 90 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 110 Milliarden), der niedrigste Wert seit 2009. Rund 27 Milliarden Dollar der Schadensumme waren versichert (Vorjahr: 31). Im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre lagen die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen nach Angaben des weltgrößten Rückversicherers mit 130 Milliarden Dollar deutlich höher.

Schlecht versichert: Arme Länder trifft die Katastrophe oft am härtesten

Das Erdbeben in Nepal ist mit 4,8 Milliarden US-Dollar und mehr als 600.000 zerstörten Häusern das größte Schadensereignis des Jahres 2015. Mit 210 Millionen Dollar kommt die Versicherungswirtschaft nur für einen Bruchteil der Schäden auf - in Entwicklungs- und Schwellenländern ein trauriges aber gängiges Phänomen:

In diesen Ländern ist der Anteil der versicherten Schäden nicht zuletzt wegen des fehlenden Kapitals sehr gering, oder es gibt schlicht keinen (Rück-)Versicherungsschutz zu kaufen. Ein weiterer Beleg dafür: Der Taifun Mujigae, der Anfang Oktober letzten Jahres über Teile von China und die Philippinen fegte, richtete Schäden in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar an - die Schäden waren laut Munich Re nicht versichert.

Die Versicherungswirtschaft will hier neue Wege gehen, um die Menschen nach Katastrophen besser von materiellen Schäden zu entlasten, versichert Torsten Jeworrek, Vorstand des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. So sollen erst im vergangenen Jahr geschaffene Risikopools länderübergreifend Versicherungsschutz gegen die Folgen von Wetterkatastrophen und teils auch von Erdbeben bieten. Staaten, die stark vom Klimawandel betroffen sind, bislang aber keine Deckung organisieren konnten, kämen damit leichter an Versicherungsschutz heran, ist Jeworrek überzeugt.

Assekuranz will mit länderübergreifenden Pools neue Wege gehen

Ohne Versicherungsschutz sind die Opfer in Katastrophengebieten gänzlich auf Spenden und staatliche Hilfe angewiesen. Sind dann, wie in Nepal, die politischen Parteien zerstritten, kommen die Millionen nicht bei den Bedürftigen an, bleiben die Obdachlosen auf ihren Schäden sitzen - von der menschlichen Tragödie ganz zu schweigen. Zugleich schneidet eine politische Blockade der Grenzübergänge zu Indien das Land von dringend benötigten Baumaterialien, Benzin und Gas zum Kochen ab.

Dürren, Stürme, Beben, Überschwemmungen: die Karte der Katastrophen (Für Großansicht bitte klicken)
Für das vergleichsweise geringe Schadensaufkommen in 2015 ist laut Munich Re das Klimaphänomen "El Nino" mit verantwortlich. Führte es doch dazu, dass weniger Wirbelstürme über dem Nordatlantik tobten und mehr im dünn besiedelten Nordostpazifik. "2015 hatten wir, was die finanziellen Schäden angeht, auch Glück", sagt Peter Höppe, Chef der Georisikoforschung der Munich Re.

Entwarnung geben will der Rückversicherer nicht. Könnte doch schon im diesem Jahr das Klimapendel in die andere Richtung schlagen und eine La-Niña-Periode im Nordatlantik die Entstehung von Hurrikanen wieder begünstigen, die dann mit großer Zerstörungskraft auf das Festland in den USA und Kanada treffen.

2015 erlangten laut Munich Re nur vier Stürme über dem Nordatlantik Hurrikan-Stärke, im langjährigen Durchschnitt sind es laut Munich Re doppelt so viele. Im Pazifik gab es hingegen 16 Hurrikane, davon elf schwere mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 340 Stundenkilometer.

mit Reuters

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