Montag, 22. Oktober 2018

Der geheimnisvolle Großaktionär der Deutschen Bank Wird die Deutsche Bank von Peking teilkontrolliert?

Zentrale der HNA Group: Von hier aus lenkt Chen Feng, größter Aktionär der Deutschen Bank, sein Imperium

Gestern die Deutsche Bank, heute der Flughafen von Rio, und morgen Air Berlin oder der Kreuzfahrtkonzern Carnival? Ein offenbar über Taschen voller Geld verfügende Investor aus

China

mit dem Kürzel HNA erschreckt die Finanzwelt und hinterlässt viele Fragen. Die wichtigste: Wer und was steckt hinter den drei Buchstaben, hinter denen sich der neue, größte Aktionär der Deutschen Bank versteckt?

Chen Feng, 64 Jahre alt. Seine Karriere begann 1982 in Deutschland. Er war einer von 24 chinesischen Studenten, die damals bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen ihr Managementtraining absolvieren durften. Zurück in China arbeitete er zunächst bei der staatlichen Luftfahrtbehörde und dann in der Provinzregierung von Hainan, der tropischen Insel ganz im Süden Chinas. Ihre Abgeschiedenheit verleitete die lokale Regierung zu einer kühnen Idee: Wir brauchen eine eigene Airline und beauftragten damit Chen Feng.

Mit Geld der Staatsbanken kaufte Feng zwei Boeing 737 und startete 1993 die ersten Flüge von Hainan Airlines. Schon zwei Jahre später kam die Fluglinie in erste Turbulenzen. Chen Feng reiste nach New York, suchte drei Monate lang an der Wall Street nach neuen Geldgebern und fand schließlich einen: George Soros, der 25 Millionen Dollar für einen Anteil von 25 Prozent bezahlte.

Erst danach konnte Hainan Airlines abheben und sich sukzessive zur größten Fluglinie Chinas entwickeln - mit 1250 Flugzeugen und 270 Zielen weltweit. Parallel stieg HNA bei insgesamt 13 Flughäfen ein, beteiligte sich an Hilton Worldwide Börsen-Chart zeigen und der spanischen NH-Hotelgruppe.

Die Tourismus-Investments machen strategischen Sinn. Die HNA Gruppe will in diesem Metier sich zu einem vertikal operierenden globalen Konzern entwickeln - dazu gehören Airlines, Flughäfen, Caterer, Hotels und Logistikfirmen.

Aber was soll der Einstieg bei der Deutschen Bank? Was der Kauf des amerikanischen IT-Distributors Ingram Micro? Was will HNA mit dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes? Warum die völlig überteuerten Immobilienkäufe in Hongkong? Eine Logik ist hinter diesen Käufen nur schwer zu erkennen. Und Cheng Feng gibt leider keine klärenden Antworten.

Woher kommt all das Geld?

So wird munter spekuliert - auch in chinesischen Medien. Sie fragen sich vor allem: Woher kommt all das Geld? Über 40 Milliarden Dollar hat HNA in den vergangenen zwei Jahren investiert. Zwei renommierte chinesische Zeitungen - The Beijing News und 21st Century Business Herald - recherchierten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Investitionen im Ausland auf Pump finanziert wurden und HNA deshalb auf einem hohen Schuldenberg sitze. Aber offenbar hat das Unternehmen das Backing von Staatsbanken.

Wolfgang Hirn

Das heizt eine weitere Spekulation an: Wie eng ist die Bindung des angeblich privaten Unternehmens, dessen Eigentümerstruktur nur schwer zu durchschauen ist, zur politischen Führung des Landes? Es ist schon merkwürdig, dass HNA derzeit so massiv und ungehemmt im Ausland investieren darf, während die Regierung in Beijing eigentlich einen restriktiven Kurs bei der Genehmigung von Auslandsinvestitionen fährt.

Fragen über Fragen und bislang wenig Antworten. Die kritischen Artikel in den beiden chinesischen Zeitungen zu dem neuen, einflussreichsten Aktionär der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen sind inzwischen von deren Homepages verschwunden.

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