Dienstag, 27. September 2016

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Tochter Ergo rutscht in Verlustzone Munich Re erhöht Dividende trotz Gewinnrückgangs

Munich-Re-Finanzvorstand Schneider: Die geringen Großschäden verdankt der Konzern dem Zufall

Geringe Schäden durch Naturkatastrophen haben den weltgrößten Rückversicherer Munich Re rote Zahlen der Erstversicherungstochter Ergo verkraften lassen. Unter dem Strich fiel der Überschuss mit 3,1 Milliarden Euro nach vorläufigen Zahlen rund 100 Millionen Euro geringer aus als ein Jahr zuvor, wie der Münchner Konzern am Donnerstag mitteilte. Den Aktionären winkt dennoch eine erhöhte Dividende. Sie soll um 50 Cent auf 8,25 Euro steigen und damit stärker als von Analysten erwartet. Doch das Zinstief und der Preiskampf in der Rückversicherung trüben weiterhin die Gewinnaussichten.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Wohlwollen aufgenommen. Kurz nach Handelsbeginn gewannen Munich Re Börsen-Chart zeigen-Aktien rund 4,5 Prozent und waren damit Spitzenreiter im Dax. Mit dem Nettogewinn hatte der Konzern die Erwartungen der Analysten getroffen. Das operative Ergebnis fiel sogar merklich höher aus als erwartet.

Zufall hilft

Finanzvorstand Jörg Schneider bezeichnete den Jahresgewinn angesichts der Umstände als "erfreulich". Die geringen Großschäden verdanke der Konzern aber schlicht dem Zufall. Mit den allgemeinen Niedrigzinsen kam die Munich Re bei der Kapitalanlage derweil einigermaßen zurecht. Die Kapitalanlagen ohne Versicherungsbezug warfen mit 7,5 Milliarden Euro zwar rund sechs Prozent weniger ab als im Vorjahr. Die Rendite sei mit 3,2 Prozent angesichts des Umfelds aber eher hoch ausgefallen, argumentierte der Vorstand.


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Auch sonst glichen sich Freud und Leid bei den Münchnern in mehrerlei Hinsicht aus. So kamen der Rückversicherungssparte vergleichsweise geringe Schäden durch Naturkatastrophen zugute. Mit 149 Millionen Euro erreichten sie nur 28 Prozent des Vorjahreswerts. Katastrophen von Menschenhand kamen den Konzern hingegen teuer zu stehen: Die Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin und ein Dammbruch in Brasilien sorgten dafür, dass Großschäden insgesamt mit 1,0 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Das war jedoch immer noch weniger als die 1,2 Milliarden im Vorjahr.

Abschreibungen drücken Ergo ins Minus

Während das Rückversicherungsgeschäft mit 3,3 Milliarden Euro mehr abwarf als im Vorjahr, sackte die Erstversicherungstochter Ergo in die Verlustzone. Hohe Abschreibungen auf Firmenwerte und der verlustreiche Verkauf der Tochter Ergo Italia brockten dem Segment unter der Führung des neuen Chefs Markus Rieß einen Jahresverlust von rund 200 Millionen Euro ein.

Zudem belasteten zum Jahresende die Überschwemmungen in Großbritannien das Ergo-Ergebnis. Im Auslandsgeschäft reichten die Prämieneinnahmen im Gesamtjahr auch deshalb nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote stieg auf 104,7 Prozent und lag damit deutlich über der kritischen 100-Prozent-Marke. In Deutschland blieb sie mit 97,9 Prozent darunter, in der Rückversicherung mit 89,7 Prozent noch deutlicher.

Preise sinken weiter

Den seit Jahren anhaltenden Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft verkrafteten die Münchner damit gut. Bei der Vertragserneuerung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum Jahreswechsel lieferten die geringen Großschäden den Kunden des Rückversicherers allerdings weiter Argumente für niedrigere Preise. Im Schnitt musste die Munich Re den Angaben zufolge einen Preisrückgang von 1,0 Prozent hinnehmen. Dennoch baute sie ihr Geschäftsvolumen um 0,7 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro aus. Die kleinere Konkurrentin Hannover Rück hatte ihr Volumen hingegen leicht gekappt.

Die Erneuerungsrunde zum 1. Januar ist die wichtigste im Schaden- und Unfallgeschäft. Bei der Munich Re stand dabei gut die Hälfte der Verträge in dem Segment zur Neuverhandlung an. Bei den kommenden Erneuerungen im April und Juli dürfte sich das Marktumfeld nicht wesentlich verändern, schätzt Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek.

Ihre Jahresbilanz mit den endgültigen Zahlen will die Munich Re am 16. März vorlegen. Dann wird auch eine Gewinnprognose für 2016 erwartet. Analysten gehen im Schnitt von einem Gewinnrückgang auf 2,75 Milliarden Euro aus.


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