Dienstag, 12. Dezember 2017

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Nettogewinn steigt um 28 Prozent Kapitalanlage - das kann die Münchener Rück

Joachim Wenning: Seit Ende April steht der 52-jährige an der Spitze des Munich-Re-Vorstands. Er löste den 60-jährigen Nikolaus von Bomhard ab
Daniel Delang für manager magazin
Joachim Wenning: Seit Ende April steht der 52-jährige an der Spitze des Munich-Re-Vorstands. Er löste den 60-jährigen Nikolaus von Bomhard ab

Ein gutes Händchen bei Kapitalanlagen hat der Münchener Rück zu Jahresbeginn einen Gewinnsprung beschert. Der Überschuss kletterte im ersten Quartal trotz mehrerer Großschäden um 28 Prozent auf 557 Millionen Euro, teilte der weltgrößte Rückversicherer am Dienstag mit. Das lag allerdings unter den Markterwartungen.

Die Aktie des Rückversicherers fiel zeitweise um 3 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 3 Monaten. Ein Börsianer wertete das erste Quartal als "sehr durchwachsen". Nur dank umfangreicher Wertpapier-Verkäufe konnte die Munich Re hohe Katastrophenschäden zu Jahresbeginn auffangen.

Für das Gesamtjahr geht der Konzern wie zuletzt angekündigt weiter von einem Gewinnrückgang auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro aus, weil im Kerngeschäft immer noch zu viel Geld im Markt ist. Finanzchef Jörg Schneider sieht jedoch erste Anzeichen einer Entspannung: "Der Preisdruck in der Rückversicherung hat sich spürbar abgemildert", erklärte er.

Die Rückversicherungsbranche leidet seit Beginn der Niedrigzinsphase darunter, dass Hedgefonds und andere alternative Kapitalgeber den Markt auf der Suche nach Rendite mit Geld überschwemmt und damit die Preise gedrückt haben. Die zumindest in den USA eingeleitete Zinswende könnte Besserung bringen. Doch bis auch die Europäische Zentralbank nachzieht, kann es noch dauern.

Prämienvolumen sinkt: Munich Re will bei Neugeschäft nicht draufzahlen

So lange will die Münchener Rück nach eigenem Bekunden lieber auf Geschäft verzichten, als Risiken zu billig zu versichern. Deshalb war das Prämienvolumen in der jüngsten Erneuerungsrunde im April rückläufig. Im Juli werden insbesondere die Verträge auf dem wichtigen US-Markt neu verhandelt - und auch hier stellt sich der Marktführer auf viel Wettbewerb ein.

Die Rückversicherung verbuchte in den ersten drei Monaten einen leichten Gewinnanstieg auf 466 (Vorjahr: 449) Millionen Euro, getrieben vom Bereich Leben/Gesundheit. Dagegen schnitt die Schaden- und Unfallrückversicherung deutlich schwächer ab, denn für Großschäden musste die Münchener Rück insgesamt rund 400 Millionen Euro in die Hand nehmen. Den größten Einzelschaden verursachte Tropensturm "Debbie", der Ende März in Australien und Neuseeland zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt hatte. Schon in der Bilanz der Konkurrentin Swiss Re hinterließ der Zyklon seine Spuren.

Die Münchener Rück konnte das mit ihrem Kapitalanlageergebnis ausbügeln: Es stieg auf knapp 2,2 (1,6) Milliarden Euro. Dabei profitierte der Konzern von erheblichen Veräußerungsgewinnen im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Saldo von Veräußerungsgewinnen und -verlusten ohne Derivate stieg auf 1048 Millionen Euro (218).

Ergo wieder mit schwarzen Zahlen

Mit seinen Kapitalanlagen von rund 220 Milliarden Euro erwirtschaftete der Versicherer bezogen auf den durchschnittlichen Marktwert des Portfolios eine Rendite von 3,6 Prozent. Der Anteil von Aktien im Portfolio kletterte leicht auf 5,3 Prozent von 5,0 zum Jahresende 2016.

Die zuletzt verlustreiche Erstversicherungstochter Ergo schaffte es wieder in die schwarzen Zahlen und lieferte einen Gewinn von 91 Millionen Euro ab. Der Erstversicherer wird gerade umgebaut.

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