Sonntag, 29. Mai 2016

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Von Bomhard schimpft auf EZB und Regierung Munich Re bunkert jetzt Bargeld im Tresor

Die Hand deutet es an: MunichRe-Chef Nikolaus von Bomhard legt die Rendite und Geschäftserwartungen für das laufende Jahr schon mal etwas tiefer

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re stellt sich wegen der Niedrigzinsen und des Preiskampfs im laufenden Jahr auf den dritten Gewinnrückgang in Folge ein - die Aktionäre will der Vorstand mit weiteren milliardenschweren Aktien-Rückkäufen bei der Stange halten.

Die Zeit als "Edelmann unter den Dax-Konzernherren, immer souverän und beherrscht" neigt sich offenbar dem Ende zu. Der scheidende Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard, den das manager magazin noch vergangene Woche so beschrieb, nutzte seine letzte Bilanzpressekonferenz am Mittwoch zu Verbalattacken.

Die Politik habe in den weltweiten Krisen "versagt", auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrem Präsidenten Mario Draghi sei nach der Senkung der Leitzinsen auf Null am Ende. "Draghi soll die Fantasie nehmen, dass er die Probleme löst, die die Politik nicht löst", sagte von Bomhard.

Der Bundesregierung warf er vor, sie sehe tatenlos zu, wie das Vermögen der Menschen in Deutschland als Folge der Zinspolitik schwinde. Die Umverteilung, die durch die Zinspolitik ausgelöst werde, treffe vor allem die Ärmeren. "Das kann man nicht einfach laufen lassen." Der Manager sprach von einer "Erosion des Rechts", die mit Händen zu greifen sei. "Was wir sehen, besorgt uns in höchstem Maße."

Die Münchener Rück experimentiere bereits damit, wie sie den Negativzinsen der EZB entkommen könne, die Finanzinstitute mittlerweile bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Schon vor einiger Zeit habe sie Gold in den Tresor gelegt, vor kurzem auch eine zweistellige Millionensumme in bar gebunkert. "Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen sie, wie ernst die Situation ist", sagte er.

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