Freitag, 24. November 2017

Mögliches Übernahmeziel Monsanto ist für Bayer schwer verdaulich

Monsanto: Der Saatgutriese aus St. Louis hat eine sehr eigenwillige Unternehmenskultur und gilt als schwer integrierbar. Zugleich herrscht Übernahmefieber in der Branche - auch Bayer und BASF geraten unter Zugzwang

Übernahmefieber in der Chemiebranche: Bayer und BASF prüfen den Kauf von Monsanto, heißt es. Am weltgrößten Hersteller von genetisch verändertem Saatgut könnten sich die deutschen Chemieriesen jedoch verschlucken. Denn der US-Konzern hat eigene Probleme und ist schwer verdaulich.

Ausgerechnet Monsanto. Es gibt wohl keinen Konzern, der in Deutschland und Europa einen schlechteren Ruf hat als der weltgrößte Saatgut-Hersteller aus St. Louis, Missouri. Wo immer auf der Welt genetisch veränderter Mais oder Sojabohnen heranwachsen - sie gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf genetisch getuntes Saatgut von Monsanto zurück. Seit Jahren streitet die EU über die weitere Verwendung des möglicherweise krebserregenden Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat - es ist der Wirkstoff des Breitband-Herbizids "Roundup", das Monsanto seit 40 Jahren höchst erfolgreich in aller Welt vertreibt.

Nun prüfen die deutschen Chemiekonzerne Bayer und BASF ein Kaufangebot für Monsanto, meldete am Donnerstag die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der US-Riese mit dem miesen Image wird an der Börse mit rund 43 Milliarden Dollar bewertet - und kämpft seit Jahren mit hausgemachten Problemen und einem fallenden Aktienkurs.

Bayer und BASF äußern sich nicht zu einer möglichen Offerte. Dass Börsianer einen solchen Mega-Deal für möglich halten (und den Monsanto-Aktienkurs zweistellig in die Höhe schickten), hat mit dem derzeit grassierenden Übernahmefieber in der Agrarchemie-Branche zu tun.

Die Ausgangslage: Zwei Deals heizen Übernahmefieber an

Fressen oder gefressen werden, lautet derzeit das Motto im Agrarsektor. Die Preise für Agrarprodukte sind am Boden. Die Krisen in Brasilien und anderen großen Schwellenländern verstärken den Druck auf die Spieler der Branche. Geld, um notfalls per Übernahme zu wachsen, ist reichlich vorhanden. In den vergangenen Monaten haben vor allem zwei Deals dafür gesorgt, dass sogar die beiden Dax-Dickschiffe Bayer und BASF in Kürze in unruhiges Fahrwasser geraten könnten.

• Im Dezember schlossen sich die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont zum weltgrößten Chemiekonzern DowDuPont zusammen. Mit 130 Milliarden Dollar Börsenwert ist DowDuPont doppelt so viel wert wie der Ex-Spitzenreiter BASF Börsen-Chart zeigen aus Ludwigshafen. Der neue Riese will sich wieder in drei eigenständige, börsennotierte Unternehmen aufspalten: Eines für den Agrarsektor, eines für die Spezialchemie und eines für den klassischen Chemiesektor. Damit sind für Monsanto, Bayer und BASF drei neue und schlagkräftige Konkurrenten geboren - auf sie wächst der Druck, sich nun ebenfalls Partner zu suchen.

• Derzeit prüfen die Wettbewerbshüter die 43 Milliarden Dollar teure Übernahme des Schweizer Pflanzenschutz-Spezialisten Syngenta durch den staatlichen Chemieriesen Chemchina. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich und dürfte die Branche erneut kräftig durchrütteln. Monsanto selbst war bei Syngenta abgeblitzt, die Schweizer trauten dem US-Konzern nicht über den Weg und hatten sich für den Bieter aus China entschieden. Statt sich selbst mit Syngenta zu stärken, droht Monsanto nun mächtige Konkurrenz durch das neue Bündnis. Und die Amerikaner sind zum Teil selbst schuld daran.

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