Dienstag, 27. Juni 2017

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San'an macht Interesse an Osram öffentlich  Siemens, Peking, Berlin - der irre Poker um Osram

Der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics lotet ein Kaufangebot für das Münchener Technologie-Unternehmen Osram aus, steht damit aber noch ganz am Anfang. Es habe einen einzigen persönlichen Kontakt gegeben, um eine Übernahme oder eine Kooperation auszuloten, teilte San'an am Montag mit. Das Stadium sei verläufig, es seien keine bindenden Vereinbarungen getroffen worden. Osram wollte sich dazu nicht äußern.

Die Mitteilung der Chinesen ist die Reaktion auf wilde Spekulationen rund um Osram in den vergangenen Tagen. San'an ist selbst an der Börse notiert und muss der Öffentlichkeit kursrelevante Informationen mitteilen. Vergangene Woche hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, San'an Optoelectronics wolle etwa 70 Euro je Osram-Aktie bieten. Zudem hieß es, San'an wolle bis Mitte Oktober ein qualifiziertes Angebot vorlegen. Daraufhin waren am Donnerstag die Aktien Osrams um mehr als 10 Prozent auf knapp 62 Euro in die Höhe geschnellt, die Aktien San'ans waren am Montag zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach der Mitteilung der Chinesen ging der Osram-Kurs deutlich auf zwischenzeitlich 56,15 Euro zurück.

Interesse an einem schnellen, lukrativen Verkauf hat vor allem Osrams Ex-Mutter Siemens. Der Konzern hält noch einen Anteil von 17,5 Prozent und hat sein Verkaufsinteresse mehrfach signalisiert. Bereits im September hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet, der chinesische Investor GSR Go Scale Capital sei an dem Siemens-Anteil interessiert. Seither haben die Osram-Aktien mittlerweile gut ein Drittel an Wert gewonnen. GSR Go Scale Capital war zuvor mit seinen Übernahmeplänen für die Philips-Sparte Lumileds an den US-Behörden gescheitert.

Die Bundesregierung will sich dagegen inhaltlich nicht zum Interesse der Chinesen an Osram äußern. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verwies in Berlin darauf, dass es sich um einen unternehmerischen Vorgang handele. Zugleich merkte er aber an, dass Deutschland im Wettbewerb mit Ländern stehe, die selbst nicht so offen sind. "Wir wollen keinen Protektionismus, aber wir wollen faire Wettbewerbsbedingungen", sagte er. Darüber müsse auf europäischer Ebene diskutiert werden. "Wir haben auch bei China die Situation, dass wir dort nicht die gleichen offenen Bedingungen vorfinden wie das bei uns ist." Das gelte auch für Investitionen aus China in Deutschland. Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, wie man damit umgehe.

San'an ist in Deutschland nicht gänzlich unbekannt. Die Firma hatte 2014 mit einem Großauftrag beim defizitären Chipanlagenbauer Aixtron für Hoffnung auf bessere Zeiten gesorgt. Ende vergangenen Jahres dampfte San'an den Auftrag allerdings ein - statt 50 Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden sollten es nur noch drei werden. Der Aktienkurs von Aixtron brach daraufhin ein. Inzwischen hat die chinesische Grand Chip Investment, eine Tochter des Investmentfonds Fujian Gran Chip Imvestment (FGC), nach Aixtron gegriffen und will die Aachener Firma für sechs Euro je Aktie - 670 Millionen Euro insgesamt - übernehmen. FGC und San'an sind geschäftlich verbunden, wie FGC Manager Liu Zhendong zuletzt in einem Spiegel-Interview einräumte. Er dementierte aber, dass es eine Einflussnahme gegeben habe.

Osram wie auch die Wettbewerber ringen seit längerem mit dem Umbruch in der Branche. Immer mehr Kunden schwenken auf die stromsparenden Leuchtdioden (LEDs) um, die zunehmend in der Unterhaltungselektronik, Automobilindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. Osram-Chef Olaf Berlien richtet daher den Konzern konsequent auf LED-Chips und Spezialbeleuchtung aus. Das traditionelle Lampengeschäft wurde an ein Bieter-Trio aus China verkauft. Dass Berlien für die Neuausrichtung über eine Milliarde Euro investiert und eine Massenfertigung in Asien baut, stieß bei Aktionären wie der einstigen Mutter Siemens auf massive Kritik.

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la/rei/dpa/reuters/soc

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