Mittwoch, 14. November 2018

Wenn Firmen zusammenarbeiten "Der Begriff 'Kartell' ist negativ besetzt. Zu Unrecht."

Mittelständischer Betrieb mit Spritzgussmaschinen: Kleiner Firmen können sich gegen die große Konkurrenz mit Kooperationen besser durchsetzen

Unternehmensberater Ralf Mühlbauer, Inhaber der Management-Beratung InnovaPart, erläutert, warum Kooperationen zwischen kleineren Firmen im Wettbewerb mit Branchengrößen meist nicht gegen das Kartellrecht verstoßen, sondern stattdessen gute Chancen im Wettbewerb eröffnen.

manager magazin: Herr Mühlbauer, mittelständische Unternehmen haben es häufig schwer gegenüber Branchenriesen, die aufgrund ihrer Größe erhebliche Vorteile bei Einkauf, Produktion und Vertrieb haben. Sie raten in solchen Situationen zu Kooperationen.

Ralf Mühlbauer
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    Ralf Mühlbauer ist promovierter Maschinenbauingenieur und Inhaber sowie Geschäftsführer der Management-Beratung InnovaPart mit Sitz in Asbach in Rheinland-Pfalz.
Mühlbauer: Richtig. Viele Unternehmen unterhalten bereits ein Netzwerk von Partnerfirmen, mit denen sie eher locker zusammenarbeiten. Echte Kooperationen gehen deutlich weiter. Die Partner schließen einen Kontrakt und arbeiten bei internen oder externen Abläufen eng zusammen. Sie bündeln ihre Kräfte, stimmen Teilleistungen ab und entwickeln bei Bedarf einen einheitlichen Marktauftritt. Dabei bleiben die Partner rechtlich selbstständig.

mm: Gilt das ausschließlich für Firmen entlang der Wertschöpfungskette, oder sollten auch Konkurrenten über Kooperationen nachdenken?

Mühlbauer: Als Kooperationspartner kommen nicht nur Unternehmen mit ergänzenden Leistungen in Frage. Gerade Allianzen mit gleichartigen oder verwandten Fachbetrieben sind sehr aussichtsreich. Es bieten sich Kooperationsmöglichkeiten über die gesamte Wertschöpfungskette. Stellen die Partner den Konkurrenzgedanken hinten an, können sie viele Synergien und Wachstumspotenziale nutzen.

mm: Aber gibt es da keine Probleme mit dem Kartellrecht?

Mühlbauer: Der Begriff "Kartell" ist landläufig negativ besetzt. Zu Unrecht, denn es existieren viele zulässige Formen von Kartellen, die für den Gesamtmarkt von Vorteil sind. Kartelle können strukturelle Wettbewerbsnachteile kleinerer Akteure ausgleichen und das Leistungsangebot zugunsten der Kunden verbessern.

mm: Trotz des negativen Rufs, den Kartelle in der Öffentlichkeit haben?

Mühlbauer: Solche Vorbehalte schüren vor allem große illegale Kartelle, zumeist namhafter Unternehmen, die außerhalb des gesetzlichen Rahmens agieren. Firmenlenker sollten sich davon nicht abhalten lassen und die Chancen legaler Kartelle prüfen.

mm: Wo genau verläuft die Grenze zur Illegalität?

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