Donnerstag, 18. Oktober 2018

Mittelstand im Innovationswettlauf mit China "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht untergehen"

Roboterbauer Kuka: Chinesen haben mittlerweile viele hervorragende mittelständische Unternehmen aus Deutschland gekauft oder sich dort eingekauft

"Mittelstand" ist so ein typisch deutsches Wort, dass es in anderen Ländern kaum noch übersetzt wird. Aber sind die mittelgroßen Unternehmen überhaupt innovativ genug, um international mitzumischen? Eine eindringliche Warnung lässt jetzt aufhorchen.

Das auf den industriellen Mittelstand ausgerichtete Forschungsnetz AiF hat vor sinkender Innovationskraft kleiner und mittlerer Unternehmen gewarnt. Im Wettlauf etwa mit China werde es nicht reichen, allein mit Steueranreizen den Standort Deutschland zu stärken. "China will Innovationsweltmeister werden. Wenn wir uns nicht deutlich anstrengen, werden wir abgehängt", sagte der AiF-Präsident und Bauunternehmer Sebastian Bauer der Deutschen Presse-Agentur.

Die Koalition aus Union und SPD will den "innovativen Mittelstand" stärken. "Den Worten der Koalitionäre müssen aber auch Taten folgen", forderte Bauer. Die Mittel für das Förderprogramm Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) etwa sollten zumindest verlässlicher fließen, sagte er.

"Noch sind Europa und Deutschland innovativer. Im Moment sind Forschung und Entwicklung in China noch nicht so effizient wie in Deutschland", so Bauer. Aber die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt plane generalstabsmäßig, das Feld aufzurollen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht untergehen."

Bei "Sprunginnovationen", mit denen Produkte, Dienstleistungen und ganze Märkte komplett verändert werden, hinke Deutschland hinterher. Um die Grundlagenforschung mache er sich eher keine Sorgen: "Aber der Transfer der Grundlagenerkenntnisse in die Wirtschaft könnte besser sein", so Bauer weiter.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte kürzlich, 2015 hätten nur noch rund zwei Drittel der Mittelstandsfirmen in Deutschland mit bis zu 1000 Beschäftigten regelmäßig neue Produkte eingeführt. Fünf Jahre zuvor seien es noch rund 75 Prozent gewesen.

Mittelstandsfirmen haben häufig keine eigenen großen Forschungsabteilungen. Die AiF führt Unternehmen und Forschung zusammen. Über das Netzwerk mit 100 Forschungsvereinigungen und 50.000 beteiligten Unternehmen soll kleineren und mittelgroßen Firmen der Zugang zu neuen Technologien erleichtert werden.

rei/dpa

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