Sonntag, 25. September 2016

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Investitionsklemme trotz Niedrigzins Das Geld wird faul - warum Unternehmer nichts mit geschenktem Geld anfangen können

Billiges Geld: Die Notenbanken drucken Geld und setzen die Zinsen auf Null - doch das heißt nicht, dass Unternehmen auch investieren

Die Unternehmen in Deutschland verdienen so viel wie nie. Und die Banken würden ihnen liebend gern noch mehr Geld hinterherwerfen. Nur: Sie wissen kaum etwas damit anzufangen, die Investitionen bleiben weit hinter den Möglichkeiten zurück.

Kreditklemme? Keine Spur. "Eine Kreditfinanzierung wird für deutsche Unternehmen immer einfacher", stellt der scheidende Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, fest. Die vom Ifo gemessene Kredithürde sank im Januar auf einen "neuen historischen Tiefstand": Nur noch 14,3 Prozent der Unternehmen geben Probleme mit der Kreditvergabe an. In den ersten Jahren der Erhebung bis 2005 waren es noch mehr als die Hälfte.

Auf der anderen Seite sind die Bruttoinvestitionen in den ersten neun Monaten 2015 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Die Story der Wiederbelebung der deutschen Binnenkonjunktur lebt bisher fast völlig vom privaten und staatlichen Konsum.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) diagnostiziert eine "strukturelle Investitionslücke" seit dem Jahr 2000 von zeitweise mindestens 80 Milliarden Euro jährlich. Da wäre also ziemlich viel aufzuholen, um nicht nur die Substanz zu erhalten, sondern auch zukünftiges Wachstum der Wirtschaft zu ermöglichen. Was also hält die Firmen davon ab, mehr Geld in Fabriken, Maschinen und Fuhrparks zu stecken?

Grund 1: So schlimm ist es doch gar nicht

Die Frage, ob Deutschland unter seinen Möglichkeiten bleibt oder gar die künftigen Möglichkeiten verspielt, hat längst eine ökonomische Debatte ausgelöst. Wie immer in solchen Debatten, lassen sich Zahlen so auswählen oder deuten, dass sie die eine oder die andere Aussage stützen. Christoph Schmidt vom Sachverständigenrat der Bundesregierung, der für eine eher konservative Politik und gegen Investitionsprogramme plädiert, hält die Rede von der Lücke für übertrieben.

Die vergleichsweise schwachen Bauinvestitionen müsse man im Vergleich zu dem Vereinigungsboom der 90er Jahre sehen, das sei "nichts Auffälliges, das ist eine Korrektur". Aktuell zieht der Wohnbau auch wieder an. Die Nichtwohnbauten - also beispielsweise Gewerbebauten, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser - dagegen sind im Minus.

Bei den Ausrüstungsinvestitionen hingegen "stehen wir recht gut da", findet Schmidt. Auch das ist relativ. Insgesamt liegt die Investitionsquote der deutschen Wirtschaft seit 2002 unter 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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