Dienstag, 19. März 2019

Vonovia will Deutsche Wohnen für rund 10 Milliarden Euro kaufen Hausmeister der Republik: Vonovia bietet Milliardendeal an 

Pflügen die deutsche Wohnungswirtschaft um: Vonovia-Chef Rolf Buch (links) mit seinen Mitvorständen Klaus Freiberg und Stefan Kirsten (rechts). Nun will Vonovia, das vor kurzem noch Deutsche Annington hieß, auch noch die Deutsche Wohnen übernehmen.
Martin Joppen / Deutsche Anningt
Pflügen die deutsche Wohnungswirtschaft um: Vonovia-Chef Rolf Buch (links) mit seinen Mitvorständen Klaus Freiberg und Stefan Kirsten (rechts). Nun will Vonovia, das vor kurzem noch Deutsche Annington hieß, auch noch die Deutsche Wohnen übernehmen.

Rolf Buch (50), Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia - der noch bis vor Kurzem Deutsche Annington hieß - hatte sich in den letzten Wochen auffällig zurückgehalten. Kein offizielles Wort war ihm zu entlocken über den geplanten Zusammenschluss seiner Wettbewerber Deutsche Wohnen (DW) und LEG Immobilien - die Nummern zwei und drei im Markt.

Doch in der Bochumer Vonovia-Zentrale herrscht seit der Fusionsankündigung vom 21. September hektische Betriebsamkeit. Und nun holt Buch zum Gegenschlag aus: Er kündigte den DW-Aktionären am frühen Mittwochmorgen eine Alternative zum LEG-Kauf an und will ihnen ein Übernahmeangebot vorlegen. "Nach eingehender Analyse und einer Reihe von Gesprächen mit Aktionären von Vonovia und Deutsche Wohnen haben wir entschieden, eine Alternative zu bieten", so Buch in seiner Mitteilung.

Buch plant, den DW-Investoren rund drei Milliarden Euro in bar und Vonovia-Papiere im Wert von etwa sieben Milliarden Euro anzubieten. Inklusive der DW-Schulden von vier Milliarden Euro hätte der Deal einen Wert von 14 Milliarden Euro. Die DW-Aktionäre sollen für elf DW-Papiere sieben Vonovia-Aktien und 83,14 Euro in cash bekommen. Dies entspricht einem Aufschlag von 11 Prozent auf Basis der DW-Durchschnittskurse der vergangenen drei Monate zum Stichtag 8. Oktober.

Der Vorstoß Buchs konterkariert die Strategie seines Amtskollegens Michael Zahn (52) von der DW. Der hat bislang folgenden offiziellen Plan: Am 28. Oktober möchte er sich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Deutsche Wohnen (DW) eine Sachkapitalererhöhung genehmigen lassen. Sie soll dazu genutzt werden, den LEG-Aktionären für je zehn ihrer Aktien 33 neue DW-Papiere anzudienen. DW braucht eine Dreiviertelmehrheit, um die Übernahme durchzusetzen.

Hält Zahn an seinem Plan fest und hat Erfolg, wäre Vonovia aus dem Rennen. Denn die Bochumer sind nur an DW interessiert - nicht aber an einem Unternehmen, das aus einem Verbund von DW und LEG besteht.

Scheitert DW dagegen am Votum ihrer Anteilseigner, könnte nun Vonovia zum Zuge kommen. Sie will ihren Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 30. November ebenfalls eine Sachkapitalerhöhung vorschlagen - für den Kauf von DW. Auch Vonovia braucht eine Mehrheit von 75 Prozent. "Wir sind der Meinung, dass ein Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen eine tragfähigere und strategisch sinnvolle Transaktion darstellt und darüber hinaus erhebliche Vorteile für alle Beteiligten bringt", lässt sich Buch zitieren.

Der Schritt wäre ein neuer Höhepunkt in der rapiden Neuordnung der deutschen Wohnungswirtschaft - die es bis vor zwei Jahrzehnten de facto noch gar nicht gab. Die deutschen Immobilienkonzerne sind erst in den 90er-Jahren entstanden, als Kommunen und Unternehmen wie Eon damit begannen, ihre Wohnungen verkaufen. Zunächst engagierten sich in dem neuen Geschäftszweig hauptsächlich angelsächsische Investoren, die meisten von ihnen haben sich aber mittlerweile wieder zurückgezogen - wie das britische Private-Equity-Haus Terra Firma, das vergangenes Jahr bei Vonovia ausstieg.

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