Mittwoch, 22. November 2017

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Microsoft digitalisiert die Bundesliga "Die Cloud bietet Fans mehr Nähe zum Verein"

Fußballer und Fans: "Die Cloud gibt Vereinen die Möglichkeit, Herr über die eigenen Daten zu werden"
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Fußballer und Fans: "Die Cloud gibt Vereinen die Möglichkeit, Herr über die eigenen Daten zu werden"

mm: Herr Jaeger, Sie haben bei Microsoft Deutschland als Ziel ausgegeben, mit allen 36 Vereinen der 1. und 2. Bundesliga zu kooperieren. Auf welche Weise kann das Cloud-Geschäft den Umsatz der Bundesligisten steigern?

Peter Jaeger: Die Vereine sammeln bereits heute eine Vielzahl an Daten, haben jedoch technisch nicht die Möglichkeiten, aus diesen Daten all die Erkenntnisse und Entscheidungen abzuleiten, die ihren Geschäftserfolg steigern könnten. Diese Daten müssen verstanden und schnell interpretiert werden. Wer das in Zukunft zeitnah leisten kann, wird mit weiteren digitalen Services noch besser auf Fanbedürfnisse eingehen und neue Erlösquellen erschließen.

mm: Das klingt für Vereine verlockend, aber recht unkonkret ...

Peter Jaeger
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    Peter Jaeger ist Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. Seit 2012 ist er als Senior Director Developer Experience and Evangelism tätig und berichtet direkt an Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek.

Jaeger: Wenn ich beispielsweise weiß, dass Fans bestimmten Spielern besonders gerne in den sozialen Medien folgen, welche Fanartikel sie in der Regel kaufen oder für welche Ticketkategorie sie sich entscheiden, kann ich ihnen in Zukunft auch maßgeschneiderte Angebote unterbreiten. Davon profitieren auch aktuelle ebenso wie neue Sponsoren. Die Cloud erlaubt Vereinen einen schnelleren Weg der Datenanalyse. Zugleich können Vereine und Organisationen ihre IT-Ressourcen der Nachfrage anpassen und damit flexibel bleiben.

mm: Alle streben in die Cloud ... doch viele haben Angst vor Datenverlust ...

Jaeger: Das Gegenteil ist der Fall. Wir geben Vereinen und Organisationen mit einer zentralen Cloudplattform die Möglichkeit, Herr über ihre eigenen Daten zu werden; was sie heute oft nicht mehr vollständig sind. Zudem können sie ihre Daten mit Hilfe der Cloud effizienter nutzen und einfach und kostengünstig global skalieren.

mm: Microsoft kooperiert mit vielen Vereinen der amerikanischen NFL. Lassen sich die Erfahrungen aus der US-Football-League 1:1 auf Deutschland und die Bundesliga übertragen?

Der Sponsors Business Summit ist Europas größter Kongress zum Thema Sportbusiness. Am 30. und 31. Januar treffen sich rund 120 Referenten und mehr als 2000 Teilnehmer in Düsseldorf, um über die Zukunft des Sportbusiness zu diskutieren. manager magazin ist Medienpartner.

Jaeger: Was Statistiken und Datenanalysen angeht, sind die US-amerikanischen Profiligen Vorreiter. Egal ob es um das bessere Verständnis für die Fans, die Analyse des eigenen Spiels oder die Performance und den Fitnesszustand einzelner Spieler oder Mannschaftsteile geht. Jeder Aspekt des Spiels sowie des Umfeldes wird erfasst und mit Hilfe von Technologie ausgewertet und interpretiert. Trainer und Spieler können so zum Beispiel in der Vorbereitung von Spielzügen quasi in Echtzeit Entscheidungen treffen, die die eigene Performance 'wie auf Knopfdruck' verbessern.

Das Eventerlebnis wird an Spieltagen zudem in Echtzeit weltweit verfügbar und der Verein selbst auch zwischen den Spieltagen über nationale Grenzen hinweg erlebbar. Neue digitale Services werden Fans ein neues, vor allem personalisiertes Erlebnis rund um den Verein bieten. Sie können interaktiv am Vereinsleben teilnehmen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und werden mit den für sie relevantesten Informationen versorgt. Und das sowohl während eines Spiels als auch an den spielfreien Tagen. Das mündet im US-Profisport auch in entsprechenden Erfolgen im globalen Merchandising.

mm: Daten sind Gold wert, lautet das Credo der Datenanbieter: Doch für den deutschen Fußball-Fan ist es eine eher unangenehme Vorstellung, ein "gläserner Fan" zu sein. Wie gehen Sie mit diesen Vorbehalten um?

Jaeger: Wir unterstützen Clubs dabei, Daten sicher zu speichern und zu verarbeiten. Microsoft selbst hat dabei grundsätzlich keinen Zugang zu diesen Daten. Die Datenhoheit liegt vollständig bei den Clubs. Die Vereine, die Daten ausschließlich in deutschen Rechenzentren speichern möchten, haben mit der souveränen Microsoft Cloud Deutschland nun auch die Möglichkeit, die Vorteile der Public Cloud zu nutzen und gleichzeitig strenge Compliance-Richtlinien einzuhalten. Zwischen Fan und Verein ist stets ein Aspekt entscheidend: Dass jeder Fan nur die Daten preisgibt, die er seinem Lieblingsverein auch mitteilen möchte.

mm: Im Cloud-Geschäft expandieren auch Microsoft-Konkurrenten wie SAP und Oracle stark. Warum folgt Microsoft nicht dem Beispiel von SAP und steigt selbst auch stärker in das direkte Sport-Sponsoring ein, um in diesem boomenden Markt präsent zu sein?

Jaeger: Mit unserer Microsoft Cloud-Plattform Azure stellen wir die Basis zur Verfügung, um die digitale Transformation im Sport voran zu treiben. Das bedeutet: Die Steuerung des Trainings, der Betrieb der Stadien und Sportstätten, die Interaktion mit den Fans sowie das gesamte Sportbusiness kann mit Hilfe dieser technologischen Lösungen verbessert werden. Fans profitieren so von mehr Nähe zum Verein und individuellen Angeboten. Wir fokussieren uns derzeit darauf, eine sichere, skalierbare Cloud-Plattform bereitzustellen.

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Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde schriftlich geführt. Microsoft-Geschäftsführer Peter Jaeger ist einer der Referenten beim SPOBIS in Düsseldorf. Manager Magazin Online ist Medienpartner des Kongresses.

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