Samstag, 15. Dezember 2018

So verbessern wir unsere Industrie Holt die Gamer an die Maschinen!

Heimische Spieleumgebunge: Mehr Spaß in den Produktionsstraßen der deutschen Industrie kann nicht schaden

2. Teil: Zauberwort: Gamification

Aber die OEMs forcieren das Tempo. Der Maschinenbauer als Zulieferer muss nachziehen, auch deshalb, weil in Zukunft Maschinen von Anwender geteilt oder von unterschiedlichen Werkern bedient werden. Lange Einarbeitungszeiten können sich die Unternehmen nicht leisten. Deshalb muss die Steuerung, das Bedienpanel selbsterklärend sein - und motivierend.

Gamification ist das Zauberwort. Die Entwickler wie Centigrade bedienen sich spielerischer Gestaltungselemente, um beispielsweise die Nutzerzufriedenheit oder Prozesseffizienz zu steigern. Zu den Referenzen zählen SEW, Trumpf oder SMA. In der industriellen Fertigung ist die Prozessstruktur an Maschinen orientiert. Um einen optimalen Durchsatz, eine hohe Qualität und möglichst geringe Ausfallzeiten zu erreichen, kommt es jedoch auf das Mitwirken der Bediener und Wartungsmitarbeiter an. Neben der Mitarbeitermotivation durch Belohnungssysteme spielen auch die Förderung der Team-Arbeit sowie klare Feedback-Prozesse und eindeutige Zielformulierungen eine besondere Rolle bei der Einführung spielerischer Elemente.

Die Entwickler setzen beispielsweise auf Punktekonten. Jeder Arbeitsschritt zahlt auf ein Teamkonto ein - erinnert an die Token, soll aber noch mehr liefern. Qualität und Effizienz und soziale Interaktion werden analysiert und gutgeschrieben. Das soll die Motivation erhöhen. Gleichzeitig kann in den Produktionsstraßen mit "Leben" wie aus Super Mario World gespielt werden. Produziert die Mannschaft beispielsweise Ausschuss verliert sie ein "Leben". Dazu kommt die Visualisierung von Aufgaben und Ergebnissen auf einem Display.

Statische Informationen regen Mitarbeiter weniger an, als wenn der Nutzer sich an seine heimische Spielumgebung erinnert fühlt und als Wartungsingenieur schon einmal virtuell durch die Räume geführt wird - Levelvorschau á la World of Warcraft, ein Massively-Multiplayer-Online-Role-Playing-Game, das auch im Team gespielt wird. Doch Gamification ist nicht nur eine Bedien- und Motivationsmethode für junge Mitarbeiter, die im heimischen Wohnzimmer zocken. Auch ältere Kollegen schätzen den Ansatz. Allerdings: In Deutschland ist das Thema noch schwer zu vermarkten.

Doch die kommende Generation an Werkern, Produktionsleitern und Maschinenbediener spielt in der Freizeit und wird Gamification-Ansätze als Teil einer Bedienstrategie übernehmen oder sogar einfordern.

Doch der Knopf an der Maschine dient nicht aus. Warum auch? Mit 3D-Touch von Apple lässt sich sicher auch dafür eine Lösung finden.

Robert Weber ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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