Montag, 11. Dezember 2017

"Meistgehasster Mann Amerikas" Pharma-Manager Shkreli schuldig gesprochen

Martin Shkreli (l.)

Seit er den Preis eines lebenswichtiges Medikament um 5000 Prozent erhöhte, wird Martin Shkreli weltweit gehasst. Nun hat ihn ein Gericht wegen Finanzbetrugs für schuldig gesprochen. Der Betroffene feixt.

Martin Shkreli, "meistgehasster Mann des Internets", ist von einem Gericht in New York wegen Finanzbetrugs schuldig gesprochen worden. Dem hochumstrittener US-Pharma- und Hedgefondsmanager drohten bis zu 20 Jahre Haft. Sein Anwalt Ben Brafman deutete an, dass Shkreli möglicherweise gar nicht ins Gefängnis müsse. Mehr als die Hälfte der Anklagepunkte gegen Shkreli hatte die Jury verworfen. Das Strafmaß wird erst zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Die Staatsanwaltschaft hatte Shkreli vorgeworfen, aus der von ihm gegründeten Biotech-Firma Retrophin elf Millionen Dollar abgezweigt zu haben, um aufgebrachte Investoren seines insolventen Hedgefonds MSMB auszahlen zu können. Das FBI verhaftete ihn im Dezember 2015, auf Kaution kam er frei.

Skrupelloser Vertreter eines Raubtierkapitalismus

Seinen schlechten Ruf in der amerikanischen Öffentlichkeit brachten ihm aber nicht seine dubiosen Finanzgeschäfte ein. Weltweite Bekanntheit und Verachtung erlangte Shkreli im September 2015, als seine Firma Turing Pharmaceuticals die Rechte an einem Entzündungsmedikament, das unter anderem Aids-Patienten benötigen, nutzte und den Preis schlagartig um rund 5000 Prozent auf 750 Dollar pro Pille anhob. Seitdem gilt Shkreli als skrupelloser Vertreter eines Raubtierkapitalismus. Australische Schüler brachten den Manager in Erklärungsnot, als sie den Wirkstoff im Labor reproduzierten - für ein paar Dollar.

Auch nach dem Urteil dürfte sich Shkreli keine Freunde gemacht haben. Er bezeichnete sich als Opfer "einer Hexenjagd von epischen Proportionen" und fügte sarkastisch hinzu: "Ich bin entzückt, dass die Jury ihre Arbeit getan hat".

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