Montag, 25. Juli 2016

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Facebook-Chef stiftet Milliarden für die Menschheit Warum die Kritik an Mark Zuckerberg paranoid ist

Familie Zuckerberg: Menschen mit richtig viel Geld können einfach nichts Gutes im Schilde führen - oder doch?

Heiner Thorborg
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    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder International gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich), die Initiative "Generation CEO", "The Female Factor" sowie thorborg&virzí mit den Standorten Frankfurt und Zürich.
Wie heißt es so schön zu Weihnachten? Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben diesen Advent versucht, genau das voranzutreiben und verkündeten anlässlich der Geburt ihrer Tochter, dass sie 99 Prozent ihres Vermögens in eine Stiftung stecken. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) soll mithelfen, der kommenden Generation eine bessere Welt zu hinterlassen. Ich persönlich finde das fabelhaft und wünschte, mehr Superreiche - auch in Deutschland - würden ähnliche Größe beweisen.

Doch statt Bewunderung für Familie Zuckerberg hagelt es vor allem Kritik: CZI ist nicht als traditionelle Stiftung aufgesetzt, sondern als LLC, also als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Deswegen könne Zuckerberg mit diesem Vehikel auch weiterhin investieren, wie er wolle. Wenn er wirklich etwas Gutes tun wolle, sollte er am besten stattdessen ganz einfach ordentlich Steuern zahlen, der Staat werde das Geld dann schon richtig umverteilen. Das ganze Unterfangen sei eine gigantische PR-Maschine und nur ein besonders perfider Finanztrick. Mit dem wolle Zuckerberg am Ende die totale Datenüberwachung starten und benutze nun auch noch sein Baby für seine Machenschaften.

Paranoider geht es kaum noch! Man reibt sich die Augen. Ein junges Paar will 45 Milliarden Euro zum Wohle der Menschheit aufwenden und wird dafür beschimpft, noch bevor ihre Stiftung überhaupt die ersten nachvollziehbaren Entscheidungen getroffen hat? Für junge, vermögende Unternehmer gilt offenbar keine Unschuldsvermutung. Für mich fühlt sich das an wie eine besonders fiese Variante der Neidkultur: Menschen mit richtig viel Geld können einfach nichts Gutes im Schilde führen. Dass die Vorwürfe vor allem von Leuten kommen, die selbst niemals auf die Idee kämen, fast ihr komplettes Vermögen abzugeben, versteht sich von selbst.

Facebook zahlt mehr Steuern als so mancher Dax-Konzern

Es stimmt schon, Zuckerberg steht in der Kritik, weil Facebook Börsen-Chart zeigen von legalen Steuervermeidungspraktiken profitiert. Damit ist das Unternehmen allerdings nicht alleine, viele globale Konzerne verschieben Gewinne zwischen den einzelnen Staaten, in denen sie agieren. Vielerorts entsteht so tatsächlich der Eindruck, die Betriebe würden sich ihren Pflichten entziehen.

Betrachtet man jedoch die Gesamtsteuerquoten, ergibt sich ein anderes Bild: Facebook zahlt mit 40,1 Prozent mehr Steuern als so manches deutsche Dax-Unternehmen. Daimler Börsen-Chart zeigen beispielsweise kommt laut Frankfurter Allgemeine Zeitung auf eine Steuerquote von 28,3 Prozent, SAP Börsen-Chart zeigen auf eine von 24,7 Prozent, die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen liegt bei 15,5 Prozent.

Die Rechtsform als Firma "mit beschränkter Haftung" für die Stiftung sorgt ebenfalls für Kritik: So spende Zuckerberg eben nur an Zuckerberg. Tatsächlich ist jedoch geplant, dass die Nettogewinne der von CZI getätigten Investitionen zurück in die Initiative fließen. Und dass diese wie ein Unternehmen aufgesetzt ist, bedeutet am Ende vor allem eines: sie ist steuerpflichtig.

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