Donnerstag, 17. August 2017

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Herber Schlag für deutschen Schiffstandort Nr. 1 Maersk schluckt Hamburg Süd - und wohl viele Jobs in Hamburg

Künftig in dänischem Besitz: Die Oetker-Tochter Hamburg Süd soll an die Reedereigruppe Maersk gehen
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Künftig in dänischem Besitz: Die Oetker-Tochter Hamburg Süd soll an die Reedereigruppe Maersk gehen

Seit Wochen wurde spekuliert, nun ist es offiziell: Die Oetker-Gruppe will ihre Reederei Hamburg Süd an den dänischen Branchenprimus Maersk verkaufen, wie das Unternehmen aus Bielefeld am Donnerstag mitteilte. Damit haben auch die rund 6000 Mitarbeiter - mehr als 1400 zur See und rund 4500 an Land -, die das traditionsreiche deutsche Schifffahrtsunternehmen weltweit beschäftigt, ein Stück mehr Gewissheit. Allein rund 1100 Menschen sind für Hamburg Süd am Hauptsitz in der Elb-Metropole tätig - insbesondere unter ihnen dürfte nun, sofern nicht schon geschehen, das große Zittern beginnen.

Hintergrund ist die seit Jahren währende schwere Krise der weltweiten Handelsschifffahrt, die ihren vorläufigen Tiefpunkt in der Pleite der koreanischen Großreederei Hanjin vor wenigen Monaten fand. Die Frachtraten, zu denen die Reedereien ihre Schiffe vermieten, befinden sich größtenteils schon seit geraumer Zeit auf schmerzhaft niedrigem Niveau. Die Folge sind Verluste für zahlreiche Reedereien sowie eine fortschreitende Branchenkonsolidierung.

Mit dem bevorstehenden Hamburg-Süd-Verkauf ist nun klar: Das Unternehmen ist von beiden Auswirkungen der Krise voll betroffen. Hamburg Süd meldete zuletzt einen Gesamtumsatz von gut sechs Milliarden Euro. Angaben zu Gewinn oder Verlust veröffentlicht die Reederei zwar nicht. Branchenkreisen zufolge ist sie jedoch hochdefizitär. Spekuliert wurde bereits über Verluste von bis zu einer Million Euro pro Tag.

Mitten in der Konsolidierungswelle

Durch den Verkaufsbeschluss der Oetker-Gruppe gerät Hamburg Süd zudem mitten in die Konsolidierungswelle im Schifffahrtsmarkt. Hapag-Lloyd, Hamburgs zweite Linienreederei von Weltrang, tat sich bereits 2014 mit der chilenischen CSAV zusammen. Zudem will Hapag-Lloyd jetzt mit der arabischen UASC zusammengehen, die EU-Kommission hat das Vorhaben gerade erst genehmigt.

Auch weitere Deals hat es bereits gegeben: Vergangenes Jahr erwarb die französische CMA CGM die Neptune Orient Lines aus Singapur für 2,4 Milliarden Dollar. Auch die chinesischen Großreedereien Cosco und CSCL schlossen sich zusammen. Ende Oktober kündigten zudem drei führende japanische Reedereien - Nippon Yusen, Mitsui O.S.K. und Kawasaki Kisen Kaisha - die Fusion ihrer Containergeschäfte an. Auch die israelische Zim Integrated Shipping Services - neben Hamburg Süd so ziemlich die einzige Reederei im Konzert der Großen, die bislang im Konsolidierungskampf untätig blieb - sucht bereits nach Käufern, berichtet das "Wall Street Journal".

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