Sonntag, 18. Februar 2018

Festgesetzte Prinzen verlassen Ritz-Carlton in Riad Prinzen zahlen 86 Milliarden Euro für Check-out aus Luxusknast

Prinz Al-Walid bin Talal: Seit einigen Tagen wieder ein freier Mann

Die Massenfestnahme von Korruptionsverdächtigen in Saudi-Arabien hat dem Staat Einnahmen in Milliardenhöhe verschafft: Auf rund 400 Milliarden Rial (86 Milliarden Euro) belaufen sich die Zahlungen, die Verdächtige im Gegenzug für ihre Freilassung der Staatskasse zusagten, wie Generalstaatsanwalt Scheich Saud al-Modscheb am Dienstag in Riad mitteilte.

Die Zahlungen umfassten Bargeld, Wertgegenstände und Sicherheiten. Einige der Festgenommenen seien ohne Zahlung freigelassen worden, weil ihre Unschuld bewiesen wurde.

In einer beispiellosen Festnahmewelle waren in Saudi-Arabien im November 381 Menschen wegen des Verdachts auf Korruption festgenommen worden. Die Prinzen, Geschäftsleute und Behördenvertreter wurden im Ritz-Carlton-Hotel in der Hauptstadt festgehalten.

Der prominenteste von ihnen, Prinz Al-Waleed bin Talal, war am Samstag entlassen worden. Der Investor zählt zu den reichsten Menschen der Welt - auch er kam aufgrund einer finanziellen Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft frei.

Prinz Al-Waleed kann die Zahlung locker stemmen

Inzwischen befinden sich laut Modscheb noch 56 Verdächtige in Gewahrsam. Gegen sie lägen weitere Vorwürfe vor, es werde weiter ermittelt. Namen nannte der Generalstaatsanwalt nicht. Ob sie weiter im Hotel festgehalten werden, sagte er nicht. Das Ritz Carlton in Riad will am 14. Februar wieder für Gäste öffnen.

Die Festnahmen erfolgten auf Anweisung des saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der das ultrakonservative Königreich mit seiner "Vision 2030" modernisieren will.

In einer spektakulären Aktion in der Nacht zum 4. November hatte Saudi-König Salman zahlreiche Führungskräfte entlassen und festsetzen lassen. Kurzerhand wurde in jeder Nacht Riads teuerstes Hotel geräumt und in einen provisorischen Luxusknast verwandelt: Eine Reporterin der BBC hatte jetzt die Möglichkeit, mit ihrem Kamerateam das Hotel Ritz zu besuchen.

In dem "goldenen Käfig" streifen zahlreiche Personen durch die riesige Marmorlobby. Der große Pool- und Spa-Bereich ist leer, ebenso wie Bowling-Bahn und Fitness-Raum. Die meisten der unter Hausarrest stehenden Prinzen kommen nur zum Essen aus ihren Zimmern, berichtet die Reporterin - Aufnahmen von Gesichtern sind ihr ebenso verboten wie die Aufzeichnung der Unterhaltungen. Die meisten der prominenten Gefangenen verbringen ihre Zeit damit, über eine eigens eingerichtete Hotline so gut es geht Kontakt zu ihren Rechtsanwälten, ihren Familien und ihren Firmen zu halten: Ihre Handys sind ihnen abgenommen worden.

Luxusknast Ritz-Carlton in Riad: Die BBC hat sich dort umgeschaut

Der 62-jährige Prinz Alwaleed ist einer der einflussreichsten Geschäftsleute im Nahen Osten. Der Enkel des Staatsgründers Ibn Saudi ist dem Magazin "Forbes" zufolge mit etwa 16 Milliarden Euro Vermögen der reichste Mann der arabischen Welt. Sein Geld hat er mit einem Immobilienimperium gemacht. Ihm gehören über seine Kingdom Holding unter anderem zahlreiche Luxushotels wie das George V in Paris oder das Savoy in London. Auch am Kurznachrichtendienst Twitter Börsen-Chart zeigen sowie an den Möwenpick-Hotels ist er beteiligt. In einer offiziellen Erklärung des Königshauses hieß es, "einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen".

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