Freitag, 20. Oktober 2017

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Luxus-Probleme in China Flaute voraus für Luxusgüter

Shopping in Shanghai: Zu viele Luxusgeschäfte im Reich der Mitte

Anbieter von Luxusgütern müssen sich auf raue Zeiten und eine Halbierung des Wachstums einstellen, so eine Studie der Boston Consulting Group. Hauptgrund ist der Ausfall der bisherigen Boomregion.

Schlechte Neuigkeiten für Ferrari, Louis Vuitton, Cartier & Co.: Das Wachstum im Weltmarkt für Luxusgüter dürfte sich in den kommenden Jahren halbieren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie die Berater der Boston Consulting Group (BCG) und der Marktforscher Bernstein.

Damit setzte sich ein langjähriger Trend fort. Während der Markt für Teures und Schönes von Edeluhren über Yachten bis zu Kunstobjekten bis 2022 nur noch um 2 bis 4 Prozent pro Jahr wachsen dürfte, legte er von 1996 bis 2001 noch um 9 Prozent pro Jahr und von 2008 bis 2014 immerhin um 5 Prozent pro Jahr zu.

Obwohl die Zahl der Millionäre und Milliardäre seit Jahren weltweit wächst, nimmt der Appetit der zahlungskräftigen Kunden auf Luxusgüter also ab. Den Gesamtmarkt taxiert die Studie für 2015 auf 1,1 Billionen Euro.

Hauptgrund für diese Verlangsamung ist China. Das Land bleibe zwar weltweit der größte Markt für Luxuriöses: 30 Prozent der Käufer weltweit sind Chinesen. US-Amerikaner machen 23 Prozent aus, Europäer 20 Prozent. Aber: "China ist nicht mehr das El Dorado, das es einmal war", sagt Olivier Abtan, Managing Director des BCG-Büros in Paris.

In einigen Städten im Reich der Mitte wie Chengdu oder Tianjin gebe es mittlerweile zu viele Luxusgeschäfte, während etwa in Städten wie Los Angeles, Houston, Washington, DC oder Mailand noch Platz wäre für zusätzliche Luxusboutiquen. 7000 Geschäfte von 36 Luxusmarken haben die Berater in ihrer Studie verglichen.

"Die globale Luxusindustrie verändert sich schnell, und Marken müssen sich entsprechend anpassen", sagt Abtan. Neben der wachsenden Zurückhaltung von Käufern werde der Internethandel auch für Luxusgüter immer wichtiger. Das Verzahnen von E-Commerce und Einzelhandel hält Abtan für eine zentrale Herausforderung vieler Luxusmarken. Gelingt diese so genannte Omnichannel-Strategie, sei das Eröffnen weiterer Läden in teuren Lagen nicht mehr nötig.

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