Montag, 25. März 2019

Nach Ausstieg der Lufthansa Niki-Insolvenz kostet Steuerzahler wohl Millionen

Die Lufthansa steigt aus, ein neuer Käufer für Niki ist nicht in Sicht. Für Niki bedeutet das die Insolvenz - und der Steuerzahler zahlt drauf

Der Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa ist gescheitert. Eine Freigabe durch die EU-Kommission ist nicht zu erwarten. Niki muss nun Insolvenz anmelden - und der Steuerzahler zahlt drauf.

Für Niki ist es ein Ende mit Schrecken: Der Lufthansa-Konzern hat sein Übernahmeangebot für die Air-Berlin-Tochter Niki nach Querelen mit der EU-Kommission zurückgezogen. Als Grund gab die Fluggesellschaft am Mittwoch an, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne daher nicht vollzogen werden.

Damit bleibt für die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki nur noch das Grounding und die Insolvenz. Niki sei zahlungsunfähig, bestätigte ein Sprecher der Berliner Justiz am Abend. Es sei ein Insolvenzantrag für Niki eingegangen.

An dem Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter will die Lufthansa dagegen festhalten. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission.

Kredit an Air Berlin kann nun wohl nur noch zum Teil zurückgezahlt werden

Das Scheitern des Verkaufs der Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa Börsen-Chart zeigen kostet den Bund womöglich Millionen. "Durch den unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki-Verkauf kann der vom Bund verbürgte Kredit der KfW an Air Berlin möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden", erklärte die Bundesregierung am Mittwoch.

Alternative Käufer für Niki "standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung", unterstrich die Regierung. Daher komme es nun zur Insolvenz bei Niki, der Flugbetrieb müsse eingestellt werden. Damit sitzen Tausende Passagiere fest.

Es geht um ein Darlehen des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro. Lufthansa hatte für Niki 18 Millionen Euro geboten - dieser Betrag dürfte nun fehlen.

Insgesamt hält die Regierung aber dennoch den Insolvenzprozess bei Air Berlin für gelungen, weil ein Teil der ehemals 8000 Mitarbeiter in Beschäftigung gehalten würden.

Niki Lauda an Niki-Airline interessiert - aber erst nach der Insolvenz

Der Unternehmer Niki Lauda ist unterdessen immer noch an Niki interessiert. Dies sei "natürlich" weiter der Fall, sagte Lauda am Mittwoch zu Reuters. Die österreichische Air-Berlin-Tochter bräuchte jedoch einen Neustart im Zuge eines Insolvenzverfahrens.

Auf die Frage, wie viel Geld er für Niki in die Hand nehmen würde, sagte Lauda: "Der Preis, den man für eine insolvente Airline zahlen muss, ist niedriger als der für eine, die noch fliegt."

Der frühere Rennfahrer hatte Niki selbst gegründet und wollte die Airline im Insolvenzverfahren der Niki-Mutter Air Berlin übernehmen. Lauda hatte gemeinsam mit der Thomas Cook-Tochter Condor geboten, aber gegenüber der Lufthansa den Kürzeren gezogen.

EU-Kommission bleibt hart

Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte hatte Lufthansa versucht, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission gegen die Air-Berlin-Teilübernahme zerstreuen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für den Fall eines Scheiterns der Niki-Übernahme einen "Plan B" angekündigt. Er sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung von rund 20 Flugzeugen aus eigener Kraft wachsen zu lassen.

"Die Air-Berlin-Gruppe prüft derzeit Verwertungsalternativen für die Niki Luftfahrtgesellschaft GmbH", betonte Air Berlin nach dem Rückzieher der Lufthansa in einer Pflichtmitteilung für die Börse.

Air Berlins Generalbevollmächtiger Frank Kebekus hatte noch am Dienstag mitgeteilt, Lufthansa sei der einzig zuverlässige Kaufinteressent für Niki. Interesse an einem Kauf hatten in den vergangenen Monaten auch Thomas Cook (Condor) und der British-Airways-Mutterkonzern IAG gezeigt. IAG (British Airways, Iberia, Vueling) habe aber schriftlich mitgeteilt, kein Kaufinteresse mehr an Niki zu haben.

rei/la/dpa/reuters

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