Montag, 15. Oktober 2018

Dank höhere Ticketpreise und Sparanstrengungen Lufthansa verkraftet teuren Treibstoff und Air-Berlin-Integration

Die Integration der 77 Air-Berlin-Maschinen hat länger gedauert und wird die Lufthansa auch weiter Geld kosten

Die Lufthansa hat die teure Integration von Air-Berlin-Teilen bei der Tochter Eurowings, höhere Treibstoffkosten und Flugausfälle im zweiten Quartal dank höherer Ticketpreise weitgehend wettgemacht. Die Integration wird auch im dritten Quartal noch belasten, 2019 soll Eurowings aber wieder profitabel sein.

Die Kosten für den Ausbau der Billigflugtochter Eurowings und viele Störungen im Luftverkehr haben die Lufthansa Börsen-Chart zeigen im zweiten Quartal belastet. Das um Sondereffekte bereinigte Vorsteuerergebnis (Ebit) sank von April bis Juni gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,4 Prozent auf 982 Millionen Euro, teilte der Dax-Konzern am Dienstag mit. Zudem seien die Treibstoffkosten gestiegen.

Bei den anderen Airlines der Gruppe - also bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines - sei das Ergebnis dennoch dank Kostensenkungen und starkem Wachstum um 26 Prozent gestiegen. "Ohne die Belastungen bei Eurowings, die wir in Kauf nehmen, um unsere Marktposition in Europa weiter zu stärken, wäre unser Ergebnis damit gestiegen", erklärte Finanzchef Ulrik Svensson.

Die Lufthansa schnitt damit besser ab, als von Reuters befragte Analysten erwartet hatten: Die Prognose lag im Durchschnitt bei einem Rückgang des bereinigten Ebit um 7,4 Prozent auf 942 Millionen Euro. Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an: die Lufthansa-Aktie gewann am Mittag knapp 7 Prozent und war mit Abstand größter Gewinner im Dax.


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Die Kosten für die Integration eines großen Teils der pleite gegangenen Air Berlin bei Eurowings beliefen sich der Lufthansa zufolge im ersten Halbjahr auf 120 Millionen Euro. Im dritten Quartal soll die Verschmelzung abgeschlossen werden, mit dann noch einmal Kosten von rund 50 Millionen Euro.

Das Umflotten der 77 Air-Berlin-Maschinen habe länger gedauert als erwartet, sei mittlerweile aber abgeschlossen. Im Gesamtjahr rechnet die Billigtochter mit einem Verlust, der sich bis jetzt auf knapp 200 Millionen Euro summiert.

Im kommenden Jahr sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Zur Konkurrenz will Eurowings bei der Profitabilität in drei bis vier Jahren aufschließen. Die Wachstumsschmerzen der Kölner führen dazu, dass die gesamte Gruppe jetzt nur noch mit rund acht Prozent mehr Angebot rechnet nach bisher plus 8,5 Prozent.

Eurowings soll 2019 wieder profitabel sein

Im ersten Halbjahr schlugen auch höhere Kosten aufgrund vieler Verspätungen und Flugausfällen zu Buche. Denn es kamen ungewöhnlich viele Störfaktoren zusammen: Fluglotsen streikten in Südeuropa. Bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen und in der Flugsicherung gab es nicht genug Personal, um den kräftig wachsenden Luftverkehr zu bewältigen. Maschinen mussten länger am Boden bleiben oder konnten nicht starten wegen ungewöhnlich vieler Gewitter in Europa. Oben drauf kommt noch eine steigende Treibstoffrechnung. Der größte Kostenblock soll nunmehr im Gesamtjahr rund sechs Milliarden Euro betragen, 850 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

Kerosinpreise steigen - Ticketpreise auch

Positiv stimmen den Vorstand hingegen die gestiegenen Ticketpreise. Im ersten Halbjahr legten die Durchschnittserlöse währungsbereinigt um 1,3 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr rechnet die Lufthansa jetzt mit einem leichten Anstieg. Bisher hatte die Konzernspitze für 2018 insgesamt eine Stagnation erwartet.

Den geplanten Ausbau ihres Flugangebots streicht die Lufthansa indes noch einmal leicht zusammen. Statt um 8,5 Prozent, wie zuletzt geplant, soll es in diesem Jahr nun nur noch um 8 Prozent wachsen. Im Januar hatte der Vorstand sogar 12 Prozent angepeilt, diesen Plan aber wegen der schwierigen Integration des Air-Berlin-Geschäfts und der verspäteten Auslieferung neuer Airbus-Mittelstreckenjets bereits im Frühjahr gekappt.

Erstes Halbjahr: Umsatz steigt um 5 Prozent, Nettogewinn stagniert nahezu

Im ersten Halbjahr erzielte die Lufthansa einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro. Bereinigt um eine veränderte Rechnungslegung entspricht dies einem Anstieg von rund 5 Prozent. Der Nettogewinn legte minimal um 0,7 Prozent auf 677 Millionen Euro zu. Der operative Gewinn, an dem sich der Vorstand in erster Linie orientiert, sank um gut 3 Prozent auf etwas mehr als 1 Milliarde Euro.

Insgesamt gesehen hat der Lufthansa-Konzern von seinem angepeilten Jahresgewinn von etwas unter 3 Milliarden Euro nach den ersten sechs Monaten gut ein Drittel erreicht. Allerdings hat das wichtigste Quartal gerade erst begonnen. Fluggesellschaften fliegen den Großteil ihrer Gewinne in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

rei/dpa/Reuters

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