Montag, 11. Dezember 2017

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Lufthansa-Rivale Easyjet will Kurzstrecken-König in Berlin werden

Der Lufthansa-Wettbewerber Easyjet übernimmt Teile der insolventen Air Berlin und will in Berlin nun der führende Kurzstreckenanbieter werden
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Der Lufthansa-Wettbewerber Easyjet übernimmt Teile der insolventen Air Berlin und will in Berlin nun der führende Kurzstreckenanbieter werden

Angreifen und Tempo machen: Sieben Jahre lang hat Easyjet-Chefin Carolyn McCall genau das getan. Jetzt soll der britische Billigflieger führende Airline auf der Kurzstrecke in Schönefeld und Tegel werden - und damit den Platz der insolventen Air Berlin einnehmen, kündigte die Managerin an.

Orange statt Rot: Der britische Billigflieger Easyjet will im Januar den Platz der insolventen Air Berlin am Berliner Flughafen Tegel einnehmen und dort erste Flüge anbieten. "Wir sind dann die führende Kurzstrecken-Airline in Schönefeld und Tegel", sagte die scheidende Vorstandschefin Carolyn McCall. Welche Ziele jeweils von welchem Berliner Flughafen angeflogen werden, ließ die Managerin noch offen.

Easyjet-Chefin McCall

Zunächst belastet die Übernahme Easyjet: 60 Millionen Pfund (56 Millionen Euro) Verlust sind eingeplant, weil Auslastung und Erträge in Tegel zunächst vergleichsweise gering sein werden. Zudem verursache die Übernahme von 25 Flugzeugen und bis zu 1000 Beschäftigten der Air Berlin im seit Oktober laufenden Geschäftsjahr Kosten von rund 100 Millionen Pfund, darunter der Kaufpreis von 40 Millionen Euro, Kosten für das Umrüsten der Flugzeuge, die Umstellung des Flugbetriebs und die Ausbildung neuer Leute.

Ab 2019 aber werde sich das Geschäft auszahlen, versicherte McCall . Die Transaktion soll im Dezember abgeschlossen sein.

Easyjet setzt auf Wachstum. Die Air-Berlin-Übernahme nicht eingerechnet, steigt die Kapazität im gerade begonnenen Geschäftsjahr um 6 Prozent, wie der Lufthansa -Rivale ankündigte. Nach einem zuletzt schwierigen Geschäft mit hartem Preiswettkampf und höheren Kosten wegen des schwachen Pfund sieht Easyjet ermutigende Zeichen bei Buchungen und Preisen.

Umsatz je Sitzplatz soll steigen

Der Umsatz pro Sitzplatz dürfte im ersten Halbjahr unter anderem wegen der aus dem Markt verschwundenen Anbieter - neben Air Berlin die insolvente britische Monarch - im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) fiel der Gewinn bei Easyjet um 30 Prozent auf 305 Millionen Pfund. Der Umsatz zog um acht Prozent auf 5,05 Milliarden Pfund an.

Vorstandschefin McCall verlässt Easyjet nach mehr als sieben Jahren am Jahresende und wechselt zur Fernsehsendergruppe ITV. Nachfolger wird der bisherige Tui-Manager Johan Lundgren. Man solle gehen, wenn es am schönsten sei, sagte McCall.

McCall hat während ihrer Amtszeit den Aktienkurs des Unternehmens in etwa verdreifacht und den Gewinn ebenso. Damit stellt sie die meisten ihrer männlichen Kollegen an der Spitze von Fluggesellschaften eindrucksvoll in den Schatten. Lästerte Ryanair-Chef Michael O'Leary in den ersten Wochen nach ihrem Amtsantritt noch über die "Medien-Tussi", kopierte er zuletzt ob des Erfolgs sogar McCalls Offensive für Geschäftskunden. Vor Easyjet Börsen-Chart zeigen führte die resolute Managerin die britische Guardian Media Group an. Nun kehrt sie zur Medienbranche zurück.

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rei mit dpa

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