24.11.2017

Nach Air-Berlin-Pleite

Kartellamt untersucht Lufthansa-Preise

rei mit dpa

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Die Lufthansa steht im Visier des Kartellamtes

Auf manchen Inlandsstrecken hat die Lufthansa nach der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise im Schnitt um fast ein Drittel erhöht, kritisieren einzelne Branchenbeobachter. Jetzt schaltet sich das Kartellamt ein und untersucht die Preisgestaltung des Quasi-Monopolisten.

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Der deutsche Aktienmarkt beendet das Jahr 2017 mit einer starken Performance. Die Rekordstände von mehr als 13.000 Punkten konnte der Dax zwar nicht bis zum letzten Handelstag halten, gewann aber doch 12,5 Prozent hinzu. Unter den 30 Dax-Werten gab es jedoch einige große Verlierer - und umso größere Gewinner ...

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Platz 30: ProSiebenSat1

Der Medienkonzern ist das jüngste Mitglied im Dax - und schon wieder abstiegsgefährdet, mit einem Kursminus von 21,6 Prozent für 2017. Für Konzernchef Thomas Ebeling ist der Abgang im Februar bereits beschlossene Sache, nachdem er sich abfällig über das Publikum seiner Sender äußerte.

AP

Platz 29: Fresenius

Nach Jahren rasanten Wachstums war bei dem Gesundheitskonzern aus Bad Homburg erst einmal Konsolidierung angesagt. Die Aktie verlor seit Anfang 2017 12,4 Prozent.

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Platz 28: Deutsche Telekom

Die geplante Fusion zwischen T-Mobile US und Sprint in den USA ist geplatzt - und damit auch die Hoffnung auf rasch steigende Kurse. Mit einem Kursverlust von 9,5 Prozent seit Januar weist die Telekom die drittschwächste Kursentwicklung im Dax 30 auf. Da ist auch eine Dividendenrendite von aktuell 4,5 Prozent ein schwacher Trost.

Merck

Platz 27: Merck

Mit einem Kursverlust von 9,5 Prozent ist der Pharmakonzern Merck KGaA ebenfalls ein Dax-Verlierer des Jahres 2017. Die Hoffnung auf neue Blockbuster-Medikamente hat sich eingetrübt.

AP

Platz 26: Deutsche Bank

Konzernchef John Cryan konnte einige wichtige Erfolge bei der Stabilisierung des größten deutschen Finanzkonzerns melden. Einer davon ging zu Lasten der Altaktionäre: Mit einer großen Kapitalerhöhung wurde ihr Anteil verwässert. Gemessen daran - und an der langen Leidensgeschichte der Bank -, ist das Kursminus von 8 Prozent für 2017 noch moderat.

REUTERS

Platz 25: Henkel

Der Konzern hält seine Dividende seit 25 Jahren mindestens stabil. 7 Erhöhungen in Serie stehen für den Konsumgüterhersteller außerdem zu Buche. Die Dividendenrendite ist jedoch nur mäßig attraktiv - noch stärker als die Dividenden ist in den vergangenen Jahren der Kurs angezogen. 2017 ging es zur Abwechslung um 2,6 Prozent abwärts.

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Platz 24: BMW

Bei dem Autobauer ist die Dividende nicht nur für die Eignerfamilie Klatten/Quandt, die jährlich Milliardenbeträge kassiert, attraktiv: Nach einem Rückgang des Aktienkurses um 2,2 Prozent seit Anfang 2017 verspricht BMW eine Dividendenrendite von 4,3 Prozent.

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Platz 23: Siemens

Trommelnde Proteste vor den Werkstoren ändern das Bild des Konzerns, der als Vorreiter in der Digitalisierung bisher auf Erfolgskurs schien. Der geplante Abbau tausender Stellen trotz Rekordgewinns vergrätzt die Belegschaft - aber auch die Aktionäre sind nicht richtig glücklich. 2017 ging es mit dem Kurs um leichte 0,6 Prozent abwärts.

picture alliance / Uli Deck/dpa

Platz 22: Daimler

Die Aktie des Stuttgarter Konzerns beendet das Jahr auf demselben Niveau, auf dem sie es begonnen hat - allen Turbulenzen um Diesel-Skandal, Kartellklage und Elektrifizierung oder die künftige Aufteilung des Konzerns in eine Holding zum Trotz. Mit fast 5 Prozent Dividendenrendite und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 8 sieht die Aktie günstig aus - oder die Anleger glauben nicht an die leuchtende Zukunft.

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Platz 21: Munich Re

Auf den Kurs, der nur um 0,6 Prozent stieg, dürften nur wenige Aktionäre des Rückversicherungskonzerns achten. Auf der Hauptversammlung im April übergab Nikolaus von Bomhard den Chefposten an seinen Nachfolger Joachim Wenning (rechts), und auch der neue Chef dürfte die Strategie, Aktionäre mit einer attraktiven und verlässlichen Dividende bei der Stange zu halten, fortsetzen. Dividendenrendite: stattliche 4,9 Prozent.

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Platz 20: HeidelbergCement

Der Baustoffkonzern zieht nach der Übernahme des italienischen Wettbewerbers Italcementi ruhigere Bahnen. Für die Aktie endete das Jahr 2017 mit 1,8 Prozent Plus.

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Platz 19: BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern schien im globalen Fusionsfieber schon außen vor zu bleiben. Mit Teilzukäufen bei den Konkurrenten Solvay und Bayer sichern sich die Ludwigshafener nun aber ihre Position. Die Aktie legte um 3,9 Prozent zu.

AFP

Platz 18: Bayer

Den größten Deal der Branchengeschichte, die 66 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Agrarspezialisten Monsanto, hat der Leverkusener Konzern bereits 2016 eingefädelt - abgeschlossen wird er aber wohl erst im neuen Jahr. Für die Zwischenzeit blieb der Aktie nur Kraft für 4,9 Prozent Plus.

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Platz 17: Thyssenkrupp

Als Stahlkocher möchte der Essener Mischkonzern eigentlich gar nicht mehr gesehen werden. Das alte Kerngeschäft soll nach jahrelangen Planspielen und Verhandlungen in eine Fusion mit Tata eingebracht werden und den Blick auf margenstarke Geschäfte wie die Aufzugsparte freigeben. Noch ist es aber nicht so weit. Die Aktie stieg um moderate 7 Prozent.

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Platz 16: Fresenius Medical Care

Die Fresenius-Tochter, die mit ihren Dialysegerät weit überwiegend den US-Gesundheitsmarkt beliefert, konnte das intensive politische Gezerre um das dortige Krankenversicherungssystem passiv beobachten. Kostendruck hat FMC schon zuvor zugesetzt. Für 2017 ging es mit der Aktie 9 Prozent aufwärts.

Adidas

Platz 15: Adidas

Ganz so schnell wie in den Vorjahren konnte die Aktie des Sportartikelherstellers nicht mehr nach vorne sprinten - auch wenn der von Henkel als Kurstreiber bekannte Konzernchef Kasper Rorsted nach Herzogenaurach wechselte. Das Kursplus von 11,3 Prozent bedeutet eine leichte Underperformance im Dax-Vergleich.

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Platz 14: SAP

Der Softwarekonzern von Bill McDermott schob sich erneut nach vorn als größter deutscher Konzern, gemessen am Börsenwert. Das war neben der eigenen Performance mit einem Kursplus von 12,8 Prozent auch der relativen Schwäche von Siemens zu verdanken. Aktuell ist SAP der einzige Dax-Wert mit mehr als 100 Milliarden Euro Marktkapitalisierung - weltweit reicht es laut Ernst & Young für Rang 62, weit hinter den Silicon-Valley-Giganten.

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Platz 13: Beiersdorf

Der Nivea-Hersteller notiert seit Januar 2017 um 21,5 Prozent im Plus - ungeachtet der zumal für einen Konsumgüterhersteller schon längst sportlichen Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis verschlechterte sich auf 27,4. Entsprechend liegt die Dividendenrendite im Null-Komma-Bereich.

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Platz 12: Allianz

Eine Größe ist der Versicherungskonzern, allem Gejammer über Niedrigzinsen zum Trotz, ungebrochen mit Blick auf das intern angehäufte Kapital. Der Münchener Konzern weiß regelmäßig nicht, wohin mit dem Geld, verwirft eine Übernahme nach der nächsten und bedenkt lieber die Aktionäre - mit Aktienrückkäufen oder der üppigen Dividende, die zum um 22 Prozent gestiegenen Kurs immer noch eine Rendite von 4,2 Prozent verspricht.

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Platz 11: Continental

Der Autozulieferer aus Hannover hat nach seiner Nahtoderfahrung in der Finanzkrise auch stürmische Börsenjahre hinter sich gebracht. Die aktuell einzige Dax-Aktie mit einem Stückpreis über 200 Euro legte erneut zu, aber um vergleichsweise moderate 22,5 Prozent.

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Platz 10: Linde

Die Aktie des Industriegasekonzerns gehört möglicherweise bald der Geschichte an. Die große Mehrheit der Aktionäre hat ihre Papiere bereits zur Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair in eine neue Firma mit Sitz in Großbritannien angedient. Die Linde-Aktie beendete das Jahr noch mit 24,7 Prozent Plus - sofern man die neue, zum Umtausch eingereichte, Aktie mit der noch bis Sommer im Dax notierten alten Linde-Aktie direkt vergleichen kann.

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Platz 9: Volkswagen

Volkswagen hat nach dem Dieselskandal seine größten Rechtsrisiken in den USA abgeräumt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 24,8 Prozent zu Buche - und damit steht die Vorzugsaktie wieder dort, wo sie vor dem Ausbruch des Skandals vor gut zwei Jahren war.

AP

Platz 8: Deutsche Börse

Konzernchef Carsten Kengeter musste zwar seine Fusionspläne mit der Londoner Börse auch wegen des Brexit begraben und sich dann auch noch dem Verdacht des Insiderhandels ausgesetzt sehen. Vor der Übergabe an Ex-Hypovereinsbank-Chef Theodor Weimer zum Jahreswechsel darf Kengeter immerhin eine Erfolgszahl verbuchen: 24,8 Prozent Kursgewinn für seine Aktionäre 2017.

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Platz 7: Deutsche Post

Satte 27 Prozent gewann die Aktie des Logistikkonzerns. Mehr noch als der Prestigeerfolg, den etablierten Autokonzernen mit der eigenen Lieferflotte Streetscooter den praktischen Durchbruch in Sachen Elektromobilität vorzumachen, beflügelt der Boom im Paketversand dank Online-Shopping die Aktie.

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Platz 6: Vonovia

Der größte Vermieter Deutschlands ist eine andere Art, auf den Immobilienboom im Land zu wetten - auch wenn der Bochumer Konzern wenig mit angesagten Luxusbauten zu tun hat. Aktuell bietet er für den österreichischen Wettbewerber Buwog. Die Aktie stieg in diesem Jahr um mehr als ein Drittel.

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Platz 5: Eon

Der Energiekonzern steckt mitten in einem Umbauprozess, das alte Kerngeschäft wurde als Uniper ausgelagert - und könnte bald gewinnbringend verkauft werden, wenn der finnische Wettbewerber Fortum mit seinem Übernahmeversuch Erfolg hat. Eon selbst bekam in diesem Jahr Milliarden aus der deutschen Atomsteuer zurück - und durfte sich zum Jahresschluss noch über ein Urteil freuen, das den Konzern auch in Belgien befreit. Die Aktie gewann im Jahresverlauf 35,2 Prozent.

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Platz 4: Infineon

Mit einem Kursplus von 38 Prozent seit Januar landet der Chiphersteller in den Top 4 des Börsenjahres 2017. Damit hat Infineon mehr als dreimal so stark zugelegt wie der Dax. Zuletzt sorgte das Übernahmeangebot von Broadcom für den Rivalen Qualcomm für Kauflaune in der Chipbranche.

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Platz 3: RWE

Der Energieversorger RWE war zwar im alten Jahr eine Dividenden-Nullnummer, verspricht nach Schätzung der meisten Analysten aber eine Sonderdividende im Frühjahr, die trotz eines Kursplus von 44 Prozent seit Jahresbeginn eine Rekordrendite von fast 9 Prozent ergibt. Im Dezember sorgte die Gewinnwarnung der abgespaltenen Ökostromtochter Innogy und der Rücktritt von deren Chef Peter Terium noch für Turbulenzen.

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Platz 2: Commerzbank

Dividende gab es auch bei der zweitgrößten Geschäftsbank des Landes nicht, dafür aber mit dem Finanzinvestor Cerberus einen neuen Großaktionär - der sich später auch noch an der Deutschen Bank beteiligte. Für einen verlustfreien Verkauf der aus der Finanzkrise stammenden Staatsbeteiligung reicht es zwar noch lange nicht, aber die Commerzbank-Aktie hatte 2017 genug Kraft für einen rasanten Anstieg um 72,5 Prozent.

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Platz 1: Lufthansa

Der mit Abstand strahlende Sieger, nicht nur auf dem heimischen Luftverkehrsmarkt nach der Zerlegung des Pleite-Konkurrenten Air Berlin, ist die Deutsche Lufthansa. Die Aktie, zuvor noch der Dax-Wert mit der geringsten Marktkapitalisierung begleitete den Höhenflug des vom manager magazin zum "Manager des Jahres" ausgezeichneten Carsten Spohr mit einem Kursplus von sage und schreibe 150 Prozent.

Die nach der Air-Berlin-Pleite drastisch gestiegenen Preise für deutsche Inlandsflüge rufen das Bundeskartellamt auf den Plan. Die Wettbewerbsbehörde hat entschieden, die Preise beim Branchenprimus Lufthansa zu prüfen.

"Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Analysten der Bank of America Merrill Lynch haben kürzlich vorgerechnet, dass der Lufthansa-Konzern einschließlich Air Berlin und seiner Billig-Tochter Eurowings auf Inlandsstrecken nun einen Marktanteil von 98 Prozent auf sich vereinen - hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, Experten erwarten Auflagen der Kartellbehörden.

Die hohe Nachfrage nach Inlandsflügen kann die Lufthansa aber nicht befriedigen. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Das führt mitunter dazu, dass die Lufthansa - wie kürzlich geschehen - auf stark frequentierten Inlandsstrecken Riesenflieger wie die Boeing 747 einsetzt.

Auf solchen Strecken müssen die Kunden auch mächtig draufzahlen - nach Einschätzung von Branchenfachleuten im Durchschnitt bis zu 30 Prozent. Steigende Preise auf bestimmten Strecken hatte vor Wochen bereits der Kartellrechtsexperte und ehemalige Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, vorausgesagt.

Die Lufthansa werde mit ihrer stark expandierenden Tochter Eurowings nicht auf Monopolgewinne verzichten, zeigte sich der Experte überzeugt. Lufthansa-Chef Spohr rede die Wettbewerbsprobleme klein, wenn er sage, dass man sich nach der Übernahme von Air Berlin auf einzelnen Strecken intern Konkurrenz machen werde. "Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen."

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