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24.11.2017  Nach Air-Berlin-Pleite

Kartellamt untersucht Lufthansa-Preise

DPA

Die Lufthansa steht im Visier des Kartellamtes

Auf manchen Inlandsstrecken hat die Lufthansa nach der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise im Schnitt um fast ein Drittel erhöht, kritisieren einzelne Branchenbeobachter. Jetzt schaltet sich das Kartellamt ein und untersucht die Preisgestaltung des Quasi-Monopolisten.

Die nach der Air-Berlin-Pleite drastisch gestiegenen Preise für deutsche Inlandsflüge rufen das Bundeskartellamt auf den Plan. Die Wettbewerbsbehörde hat entschieden, die Preise beim Branchenprimus Lufthansa zu prüfen.

"Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Analysten der Bank of America Merrill Lynch haben kürzlich vorgerechnet, dass der Lufthansa-Konzern einschließlich Air Berlin und seiner Billig-Tochter Eurowings auf Inlandsstrecken nun einen Marktanteil von 98 Prozent auf sich vereinen - hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, Experten erwarten Auflagen der Kartellbehörden.

Die hohe Nachfrage nach Inlandsflügen kann die Lufthansa aber nicht befriedigen. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Das führt mitunter dazu, dass die Lufthansa - wie kürzlich geschehen - auf stark frequentierten Inlandsstrecken Riesenflieger wie die Boeing 747 einsetzt.

Auf solchen Strecken müssen die Kunden auch mächtig draufzahlen - nach Einschätzung von Branchenfachleuten im Durchschnitt bis zu 30 Prozent. Steigende Preise auf bestimmten Strecken hatte vor Wochen bereits der Kartellrechtsexperte und ehemalige Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, vorausgesagt.

Die Lufthansa werde mit ihrer stark expandierenden Tochter Eurowings nicht auf Monopolgewinne verzichten, zeigte sich der Experte überzeugt. Lufthansa-Chef Spohr rede die Wettbewerbsprobleme klein, wenn er sage, dass man sich nach der Übernahme von Air Berlin auf einzelnen Strecken intern Konkurrenz machen werde. "Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen."

rei mit dpa

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