Samstag, 16. Dezember 2017

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Gerüchte um Air-Berlin-Tochter Niki Niki Lauda tritt erneut gegen Lufthansa an

Die Air-Berlin-Tochter Niki war sein Baby: Nach Gerüchten, die EU werde Lufthansa den Kauf der Airline Niki untersagen, hat der Luftfahrtunternehmer und ehemalige Rennfahrer sein Angebot für Niki erneuert

Lufthansa-Chef Carsten Spohr muss bei der noch nicht genehmigten Übernahme von Air Berlin um das Filetstück der insolventen Fluggesellschaft fürchten. Denn nach verschiedenen Berichten neigt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager dazu, die Übernahme der als lukrativ geltenden Air-Berlin-Tochter zu unterbinden.

Während sich Spohr noch am Mittwoch für den Deal in Brüssel starkmachen wollte, hat der ehemalige Gründer der Airline, Niki Lauda, sein Kaufangebot erneuert. "Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen", sagte Niki Lauda dem "Handelsblatt". "Mein Angebot zusammen mit Thomas Cook gilt nach wie vor", sagte der Luftfahrtunternehmer und ehemalige Rennfahrer.

In der "FAZ" hatte zuvor der Chef der Flugsparte von Thomas Cook, Cristoph Debus, auf Korrekturen bei der Aufteilung von Air Berlin gedrungen. "Normalerweise darf eine gescheiterte Gesellschaft nur dann von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gibt", sagte Debus. "Im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben."

Die Lufthansa kann noch bis Donnerstag Zugeständnisse einreichen, um kartellrechtliche Zweifel der Wettbewerbshüter auszuräumen. Ein Sprecher der EU-Kommission hingegen betonte: "Die Untersuchung läuft und wir können das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen." Die Lufthansa lehnte einen Kommentar ab. Auch "Spiegel"-Online hatte darüber berichtet.

Im schlimmsten Fall drohte auch der Tochter Niki die Pleite

Die Lufthansa hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Millionen Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde muss dem noch zustimmen, sie will am 7. Dezember darüber entscheiden. Sollte die Kommission wie erwartet Auflagen für notwendig halten, damit der Wettbewerb ausreichend gewahrt bleibt, könnte sie die Frist um zwei Wochen bis kurz vor Weihnachten verlängern. In schwierigen Fällen nimmt sich die Aufsicht 90 Werktage Zeit. Falls die EU-Kommission eine solche vertiefte Prüfung plane, würde die Lufthansa wohl die aktuelle Zwischenfinanzierung von Niki einstellen, wie Reuters aus Insiderkreisen berichtet. Niki wäre dann wohl ebenfalls pleite.

"Niki müsste sehr, sehr kurzfristig gegroundet werden. Sehr viele Passagiere wären irgendwo gestrandet", sagte eine andere Person, die mit der Situation vertraut ist. Damit müsste der Flugbetrieb eingestellt werden. "Niki braucht Woche für Woche frisches Geld." Reuters zitiert die Person weiter mit den Worten: "Ein weißer Ritter müsste sofort mehrere Millionen reinbuttern als Zwischenfinanzierung, bevor man überhaupt in Verhandlungen tritt."

Sollte die Lufthansa nicht wie geplant Niki bekommen und damit auch knapp 1000 Beschäftigte, stünden diese vorm Jobverlust - vorausgesetzt, Thomas Cook und Niki Laude kommen nicht zum Zuge. Zusammen mit der LGW wollte Lufthansa insgesamt 1700 Air-Berlin-Mitarbeiter übernehmen. Air Berlin äußerte sich nicht und verwies auf das laufende Verfahren der EU-Kommission.

rei mit Reuters

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