Dienstag, 19. Juni 2018

Kartellamt bestätigt Passagier-Verdacht Lufthansa nutzte Aus von Air Berlin für extremen Preisschub

Boeing 747 der Lufthansa

Viele Kunden der Lufthansa Börsen-Chart zeigen haben es geahnt, jetzt ist es amtlich: Nach dem Aus für Air Berlin sind Lufthansa-Ticktes deutlich teurer geworden. Im Herbst 2017 seien die Tickets der größten deutschen Fluggesellschaft im Vergleich zum Vorjahr "durchschnittlich um 25 bis 30 Prozent teurer" gewesen, teilte das Bundeskartellamt am Dienstag mit. In Einzelfällen habe es sogar "deutlich höhere Preisanhebungen" von bis zu mehr als 50 Prozent gegeben.

Trotz des Preisschubs auf Strecken, wo die Lufthansa nach der Pleite des Konkurrenten ein Monopol hatte, leitet das Amt nach eigenen Angaben aber kein Kartellverfahren gegen die Lufthansa ein. Ein Teil der Preiserhöhung sei auf den starken Rückgang des Platzangebotes nach der Air Berlin-Pleite zurückzuführen, räumten die Wettbewerbshüter ein. Das hätte auch bei einer intakten Konkurrenzsituation zu steigenden Preisen geführt.

Die Analyse basiert auf einer Auswertung von gut 56.000 Einzeltickets. Als Strecken wurden die 13 passagierstärksten innerdeutschen Verbindungen ausgewählt, auf neun davon war Air Berlin vor der Insolvenz tätig.

"Konsequente Fusionskontrolle hat den raschen Markteintritt von Easyjet ermöglicht", sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt der Mitteilung zufolge. Die britische Airline hatte Geschäftsteile der insolventen Air Berlin übernommen. Im Anschluss seien die Preise auf den entsprechenden Strecken wieder umgehend gefallen, so Mundt. Für rund zwei Drittel der Passagiere, die durch die Insolvenz von Air Berlin vorübergehend auf den Monopolanbieter Lufthansa angewiesen waren, bestehe inzwischen wieder eine Ausweichalternative.

"Die Entwicklung der Flugpreise wäre bestimmt nicht so günstig verlaufen, wenn die Lufthansa dauerhaft Monopolist auf diesen Strecken geworden wäre." Sein Amt werde die innerdeutschen Flugmärkte auch weiterhin intensiv beobachten.

Lufthansa hatte die gestiegenen Durchschnittspreise mit der höheren Nachfrage und der daraus folgenden schnelleren Auslastung der Maschinen begründet. Darauf habe das computergestützte Preissystem mit der Ausgabe teurerer Tickets aus den höheren Buchungsklassen reagiert. Dieses Argument lehnte Mundt ab: "Die Verwendung eines Algorithmus zur Preisfestsetzung entbindet ein Unternehmen selbstredend nicht von seiner Verantwortung."

nis/AFP/dpa

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