Samstag, 18. August 2018

Lufthansa holt Top-Managerin des Ex-Wettbewerbers Air Berlins Personalchefin landet butterweich

Air-Berlin-Crew des letzten Fluges: Viele Mitarbeiter stehen noch immer vor einer unsicheren Zukunft

Dieser erneute Personalwechsel auf Top-Ebene wird bei der verbliebenen Air-Berlin-Belegschaft wohl nicht gut ankommen: Die Personalchefin des insolventen Unternehmens, Martina Niemann, wechselt in derselben Funktion zur Lufthansa Börsen-Chart zeigen, die Teile von Air Berlin übernimmt. Das bestätigte eine Sprecherin der Fluggesellschaft gegenüber der "Stuttgarter Zeitung".

Niemann war 2012 von der Deutschen Bahn zu Air Berlin gekommen und dort bis zuletzt für die Zukunft von Tausenden Mitarbeitern mitverantwortlich. Diese ist unter anderem für 3200 Flugbegleiter weiter unsicher - unter anderem, weil sie noch nicht von ihrem Arbeitgeber gekündigt worden sind und so keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Auch die Modalitäten einer Neubeschäftigung bei Käufern von Air-Berlin-Teilen sind für viele noch nicht geklärt.

Martina Niemann
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Martina Niemann

Unmut bei Gewerkschaften, Mitarbeitern und Wettbewerbern hatte auch das Agieren von Ex-Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann erregt. Dieser war wenige Monate vor der Insolvenz der Fluggesellschaft von der Lufthansa Börsen-Chart zeigen zu Air Berlin gewechselt.

Kritiker monieren, Winkelmann habe nicht völlig unabhängig von seinem alten Arbeitgeber agiert, von einem trojanischen Pferd war die Rede, das Air Berlin zerschlagen sollte. Was aus Winkelmann - der die Vorwürfe dementiert - wird, ist noch nicht öffentlich bekannt - außer, dass er sein Salär von insgesamt 4,5 Millionen Euro trotz Pleite kassiert.

Seine Ex-Kollegin Niemann fügt sich bei der Lufthansa nun recht nahtlos in die Chefetage ein. Jedenfalls soll Bettina Volkens - dort im Gesamtkonzern für das Personal verantwortlich - ihren Job weitermachen. Niemann ist dem Bericht zufolge für die Lufthansa Airline und Zentralfunktionen im Konzern zuständig, und damit wohl für wenige Ex-Air-Berliner, die vielfach bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings unterkommen.

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Bei ihrem alten Arbeitgeber hatte Niemann zumeist ohne größere Außenwirkung agiert. Ein wenig Aufruhr gab es lediglich um eine Art Kleiderordnung für die Beschäftigten. Auch an heißen Tagen seien für Frauen beispielsweise Spaghettiträger oder Flipflops tabu. Männer sollten nicht in kurzen Hosen oder mit Polohemd erscheinen, hatten Ex-Chef Stefan Pichler und Niemann verfügt.

Beobachter vermuteten den arabischen Investor Etihad hinter der Doktrin. Der Berliner "Tagesspiegel" schrieb von einem "fast scharia-konformen Look", den Niemann verordnet habe. Auch mangels eines derartigen Großaktionärs bei der Lufthansa dürfte sich Niemann auf ihrem neuen Posten vorrangig mit anderen Dingen beschäftigen.

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