Mittwoch, 22. Februar 2017

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Lürssen übernimmt Blohm + Voss Wie Kreuzfahrten und Mega-Yachten deutsche Schiffbauer retten

"Queen Mary 2" in Hamburg: Deutsche Werften verdienen gut an Kreuzfahrtschiffen, Yachten und Co.

Bei dieser Übernahme dürfte nicht nur in der maritimen Wirtschaft Norddeutschlands so manche Augenbraue zucken: Die Bremer Lürssen-Werft kauft die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss und wächst dadurch auf einen Schlag um beinahe 1000 Mitarbeiter zu einem Schiffbaubetrieb mit knapp 3000 Leuten und Standorten in allen norddeutschen Küstenländern.

Der Deal, über dessen Volumen sich die Beteiligten nicht äußern wollten, rückt die deutsche Werftenindustrie in den Fokus, die vor Jahren noch tief in der Krise steckte. Davon hat sie sich inzwischen längst erholt.

Rückblende: In die Krise gerieten hiesige Werften bereits in den 1970er Jahren, als insbesondere die Konkurrenz aus Fernost immer stärker wurde. Werften in Japan, Südkorea und China bauten Containerschiffe, Tanker und Massengutfrachter - auch mit staatlicher Hilfe - zu deutlich niedrigeren Preisen. So zogen die asiatischen Schiffbaubetriebe über die Jahre Milliardenaufträge an Land, während hierzulande das große Sterben begann. Als Beispiele für Unternehmen, die im Laufe dieser Zeit auf der Strecke blieben, seien nur genannt: Die Rolandwerft in Bremen, die Bremer Vulkan-Werft sowie die Elbewerft in Boizenburg.

Werften schaffen wieder neue Jobs

Lange ist es her. Inzwischen haben sich die deutschen Werften erholt und auf neue Stärken besonnen: Anstelle von standardisierten Handelsschiffen, die kaum Know-how erfordern, konzentrieren sie sich auf Spezialanfertigungen wie Yachten, Fähren, Marine- oder Ölförderschiffe. Dort haben die Betriebe dank deutscher Ingenieurskunst und hoher Qualität gegenüber vielen Wettbewerbern die Nase vorn.

Die erfreuliche Lage der Branche spiegelt sich auch in Zahlen wider, die jüngst von der IG Metall veröffentlicht wurden. Demnach arbeiten gegenwärtig wieder fast 15.900 Arbeiter bei den Schiffbaubetrieben im Norden. Das sind 1,9 Prozent mehr als noch vor einem Jahr - Tendenz weiter steigend.

Beispiel Lürssen-Werft: Die Bremer genießen bei Superreichen weltweit einen Ruf als führender Fabrikant exklusiver Mega-Yachten. Nach einem Ranking des Fachmagazins "Boote Exclusiv" wurden 76 der 200 längsten Luxusjachten weltweit in Deutschland gebaut, davon gut die Hälfte von Lürssen. Das Familienunternehmen von der Weser hat auch die längste Yacht der Welt gebaut, die 180 Meter lange "Azzam". Sie gehört angeblich einem arabischen Scheich.

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