Samstag, 20. Oktober 2018

Bis zu 121 Millionen Dollar für Start-Up Light Leica investiert in 16-Linsen-Kamera

Light L16 kommt nach Europa: Eine Kamera, 16 Linsen
Light

Auf seinem 100 Milliarden Dollar schweren Beutezug durch die Tech-Welt kann Softbank-Chef Masayoshi Son den nächsten Deal vermelden: Gemeinsam mit der deutschen Kameramarke Leica investiert Softbanks Vision Fund in Tranchen bis zu 121 Millionen Dollar in das amerikanische Start-Up Light. Das Unternehmen arbeitet an bildgebenden Verfahren und verkauft sein erstes Produkt, eine Kamera mit 16 Linsen, seit März auch in Europa.

Mit den Softbank- und Leica-Millionen will Light nun Projekte im Smartphone- oder Automobilbereich vorantreiben: "Wenn wir im Tesla-Maßstab denken, ist die Kamera unser Roadster", hatte Bradley Lautenbach, Senior Vice President für Marketing und Produktdesign, schon im Frühjahr im Interview mit manager-magazin.de gesagt. "Das Handy wird unser Model 3." Im Laufe des Jahres soll das erste Smartphone mit Light-Technologie auf den Markt kommen - erste Bilder zeigen neun Linsen, kreisförmig um eine zehnte herum angeordnet.

Mit Kameras könne man hohe Preise und hübsche Margen durchsetzen, so Lautenbach, "das ist ein hübsches Geschäft. Nach einem Lizenzdeal bekommen wir ein paar Dollar pro verkauftem Handy - das ist auch ein sehr hübsches Geschäft."

Leica hofft auf technologische Expertise

Für die geplante Expansion in den Automobil- und Sicherheitsbereich gewinnt Light nun nicht nur nötiges Kapital, sondern auch einen der prestigeträchtigsten Namen der Fotografie. Leicas Einstieg mache ihn "demütig", so Light-Mitgründer Rajiv Laroia in einer Mitteilung. Andreas Kaufmann, der die deutsche Marke als Aufsichtsratsvorsitzender zurück an die Börse führen will, verspricht sich derweil technologische Innovationen von den Amerikanern, um "Leicas Tradition der Exzellenz in die Ära der Computational Photography zu führen."

Neben einer besonderen Anordnung der einzelnen Objektive basiert Lights L16-Kamera vor allem auf Software-Entwicklungen des Hauses: Pro Schnappschuss nimmt die Kamera durchschnittlich zehn Einzelbilder auf, die ein Algorithmus dann zu einem einzigen, bis zu 51 Megapixel großen Foto verrechnet. Die L16 legt dabei eine sogenannte "depth map" an, gewissermaßen ein Koordinatensystem, in dem die Lage der abgebildeten Objekte vermerkt ist.

So kann einerseits nachträglich festgelegt werden, welcher Bildbereich scharfgestellt werden soll; andererseits könne die Technik aber auch etwa selbstfahrenden Autos dabei helfen, sich auf der Straße zurechtzufinden. Erste Gespräche habe man dazu schon mit einer Vielzahl an Unternehmen geführt, so Lautenbach, auch aus der deutschen Autobranche.

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