Montag, 25. Juli 2016

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Imageschaden für Weltfußball und Sponsoren Warum die Krisen-Kommunikation der Fifa scheitern wird

Versuchen kann man es ja: Walter De Gregorio, Kommunikationsdirektor der Fifa, stellt den Weltfußballverband als Opfer dar - und als Aufklärer der internen Skandale. Eine Strategie, die nach der Geschichte des Verbandes nicht mehr aufgehen kann.

Es wird der Fifa nun gehen wie dem ADAC dessen Affäre(n) in der "Motorwelt" ihren Anfang nahm: Jeder hat eine Meinung, viele werden sich zu Wort melden und im Laufe der Ermittlungen werden noch viele andere größere, kleinere, echte und aufgeblasene Skandale und Skandälchen ans Tageslicht kommen.

Strategisch ist es nachvollziehbar, dass die Fifa ihren Präsidenten Sepp Blatter zunächst öffentlich zurückhält und einen Sprecher vorschickt. Man versucht dadurch den Fall etwas medial abzusenken und den Chef aus der Schusslinie zu halten. So sind auch die Aussagen von Fifa-Sprecher Walter De Gregorio (zitiert nach spiegel.de und sueddeutsche.de) zu bewerten, zu denen der SPIEGEL richtig schreibt: "Schönreden für Profis".

"Ich möchte ausdrücklich betonen. Ausdrücklich, dass die Fifa in diesem Fall die geschädigte Partei ist. Das bedeutet, dass keine Durchsuchungen in Fifa-Büros durchgeführt wurden."

Vor allem aber ist die Fifa die beschädigte Partei. So oder so. Mit der Aussage, die Behörden hätten in Fifa-Büros keine Durchsuchung durchgeführt, versucht De Gregorio den Anschein der Unschuld zu wecken. Dabei genügen den Ermittlern schon die beschlagnahmten Smartphones der Festgenommenen, um von einem einzelnen Fehlverhalten möglicherweise auf ein System zu schließen. Abgesehen von den Dokumenten, die den Ermittlern bereits vor den Festnahmen vorgelegen haben dürften.

Die richtige PR-Strategie - aber hoffnungslos

"Der Präsident und der Generalsekretär sind nicht in diesen Prozess involviert. […] Aber der Kongress wird stattfinden. Die eine Sache hat nichts mit der anderen zu tun."

Eine klare Offenlegung der Fifa-Kommunikationsstrategie: Die Korruptionsvorwürfe müssen weit von Sepp Blatter auf Distanz gehalten werden, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Eine hoffnungslose Position, denn erfahrungsgemäß werden die Medien diesen Zusammenhang immer enger herstellen. De Gregorio kann und muss diese Strategie verfolgen - aber er wird damit scheitern. Dafür schwelen die Korruptionsvorwürfe rund um die Person des Fifa-Präsidenten schon zu lange. Bei einem Konzern, der kalt und schnell von einer solchen Verhaftungswelle erwischt wird, kann eine solche Strategie funktionieren. Bei der Fifa wird diese Strategie nicht aufgehen.

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt
    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. In seinem Buch "Feedback - Kommunikation optimieren" (Vistas, 12 Euro), beschäftigt er sich im Kapitel "Volkswagen - verbales Abwracken" ausführlich mit der Auseinandersetzung zwischen Winterkorn und Piech. www.buschardt.de

"Dieser Prozess ist gut für die Fifa. Er ist nicht gut, was Image und Reputation angeht. Aber es ist gut für den Reformprozess. Es ist ein guter Tag für die Fifa. […] Wir gehen diesen Weg der Aufklärung weiter, und niemand wird uns aufhalten."

Hier erfolgt ein massiver Versuch, die Deutungshoheit über die Vorgänge zu bekommen. Angesichts der bevorstehenden Wahl des Fifa-Präsidenten, muss De Gregorio hier öffentlich auch für Fifa-interne Zwecke kommunizieren, schließlich soll die "Wahlgemeinschaft Blatter" nicht auseinander brechen. Das Ziel ist klar definiert: Wenn gar nichts mehr hilft für eine Vertuschung - mach dich zum Anführer der Aufklärer. Damit ist auch Roland Koch (CDU) in Hessen schon "brutalstmöglich" gescheitert.

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